Kliestow - Ortsteil der Stadt Frankfurt (Oder)

Themenarchiv 1

 

 

Erläuterung historischer Begriffe und Maße   
Thema 12: Geschichtliche Daten 16.-18. Jh Thema 11: Geschichtliche Daten 14.-16. Jh Thema 10:  Kliestower Mühlen
Thema 9: Der HexenbergThema 8: Der Kleine Kliestower SeeThema 7: Weinanbau
Thema 6: Entwicklung der GüterThema 5: BergbauThema 4: Entstehung des Dorfes
Thema 3: Historische GrenzziehungenThema 2: Erste Besiedelungen

Thema 1: Der Ortsname

 

 

Thema 12: Geschichtliche Daten 16.-18. Jh.

12.1.
Ab dem Jahre 1600
  
12.2.
Im 30-jährigen Krieg
12.3.
Nach dem 30-jährigen Krieg

 

 

12.1. Ab dem Jahre 1600

 

1600                Etwa um diese Zeit wird der obere Teil des Kirchturmes errichtet.   

 

1603                Martin Kliestow,   Kommunalpolitiker

Er war Bürgermeister in Berlin Treptow–Köpenick. Ab vermutlich dem 17. Jahrhundert bis Anfang 18. Jahrhundert existierte in Köpenick die Kliestowstraße (heute Rosenstraße).

 

1603                           Ein Trockenjahr brachte der Landwirtschaft schweren Schaden. Fast der gesamte Viehbestand wurde vernichtet und eine Hungersnot führte zum Tod von vielen Menschen.

 

 

12.2. Im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648

1624               Es gab in Kliestow 11 Hufner, 9 Kossäten, 2 Kostknechte, 1 Hirte, 1 Schmied, 2 Paar Hausleute, die Schäferknechte 50 Hufe, 1 Hof mit 5 Hufen ist dem Rat von Frankfurt, 1 Hof mit 5 Hufen ist Ludwig, 1 Hof mit 4 Hufen ist v. Schlieben 1608 freigewilligt worden.

 

1627                07. November: der Quartiermeister von Wallenstein kündigt den Stadtoberen eine Besetzung von 1000 Mann und ebenso vielen Pferden an, darunter 36 Fürsten und Grafen. Ohne Ansehen der Person sind Quartiere zu beschlagnahmen. In den Wirtshäusern sollten die Stallungen für die Bagagepferde freigemacht werden. Die Stadtverantwortlichen wiesen darauf hin, dass die Stadt schon 900 Mann Besatzung beherberge und auch die 27 Dörfer der näheren Umgebung schon Truppen aufgenommen haben, so auch Kliestow. Die Ratsmitglieder und Universitätsprofessoren versuchten von der Einquartierung verschont zu bleiben, hatten sie doch die größten und schönsten Häuser.

 

Es gab 8 Bauern und 9 Kossäten.

 

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner

 

Quelle: Klaus Fechner

 

Quelle: Klaus Fechner

 

1631                Die zweite große Pest nach 1539 wütet auch in Kliestow.

 

04. Februar: Zerstörung des Dorfes, totale Plünderung, Verwüstung und Einäscherung durch Schwedische Truppen unter König Gustav Adolf II. Die Kirche wurde stark beschädigt und geplündert, überlebte aber als einziges Gebäude, sie wird nicht völlig zerstört.

 

1633                 Kliestow ist wie folgt aufgeteilt: Das Vorwerk hat 9 Hufen, 8 Hufen hat Knobloch, der Stadtkämmerer hat 26 Bauernhufen. Es gibt 7 Kossäten, Hirten und einen Schmied.

 

10. Dezember: Die Dörfer Booßen und Kliestow werden durch die Kaiserlichen Einheiten unter General Illo (Wallensteins Vertrauten) bei der Einnahme von Frankfurt angezündet. Kliestow ist daraufhin wieder nahezu eingeäschert.  

Nur 2 Bauern halten sich in die Herrn Komturs Weinpresse auf.

 

 

1634                Ältester Nachweis einer sesshaften ostmärkischen Bauernfamilie in einem Artikel der Oderzeitung von 1937: der Familie Nieguth und verschwägerten Nachkommensfamilien bis ins 20. Jahrhundert.

 

Der Heimatverein distanziert sich ausdrücklich von dem nationalsozialistischen Geist des Autors des Artikels, hat Text mit „völkischem“ Gedankengut gelöscht und nur die Passagen mit den Fakten übernommen:

► Zum Auszug aus dem Artikel

 

Auf dem Friedhof von Kliestow finden wir noch einen Grabstein der Familie Nieguth (Rechts: 3 Bilder von Grabsteinen der Söhne Nieguths).

 

 

1633-1634      Das Vorwerk hat 9 Hufen, 8 Hufen hat Knobloch, 26 Bauernhufen, 7 Kossäten, Hirte und Schmied. 

 

1637                11. November. Nach kurzer Erholung und Wiederaufbau zieht der Schwedische Feldmarschall Jean Banier (Johann Banner) mit 4 Schwadronen und 5 Infanterie-Regimentern durch Kliestow und verwüstet es erneut.

 

1639                Ein Teil des Kirchenackers wird erst jetzt nach dem 30. Jährigen Krieg wiederbestellt. Bis 1651 ist die Pfarrstelle nicht besetzt (verwaist). Der größere Teil des Ackers wird nun aber allerdings wieder bestellt, nachdem er 1650 bereits gerodet wurde.

Die Kirchenrechnungsführung wird wieder geordnet. Es werden neue Chorkittel gekauft.

 

1647                Für 2905 Taler geht das Freigut in den Besitz der Stadt Frankfurt über (►siehe auch im Archiv Thema 6 den Absatz 6.4 Das Freigut).

 

Bau der Vorhalle an der Südseite der Kirche, heute nicht mehr vorhanden.

 

 

Quelle: Klaus Fechner   Quelle: Klaus Fechner   Quelle: Klaus Fechner   Quelle: Klaus Fechner

Kirche mit Vorhalle 1930

 

Vorhalle 1992

 

Südportal ohne Vorhalle 2001

 

Südportal ohne Vorhalle 2008

 

            

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12.3. Nach dem 30-jährigen Krieg

 

1648                Ende des Dreißigjährigen Krieges. Frankfurt hat nur noch 2366 Einwohner von ehemals 12 – 16000. Die umliegenden Dörfer, so auch Kliestow, waren so gut wie entvölkert und stark verwüstet.

 

1651                Volle Bestellung des Kirchenackers, denn die Pfarrstelle ist wieder besetzt.

 

1654                Die Kirchenbücher geben über den Wiederaufbau folgende Auskunft:

                        Es existieren wieder 9 Ritterhufen des Komturs (Gut), 5 Ritterhufen des Rats zu Frankfurt, 1 Achthufner ( Schulze ), 1 Sechshufner, 2 Fünfhufner, 2 Vierhufner , 1 Zweihufner, neu angebaut 1 Vierhufner, insgesamt wieder 38 Bauernhufen, also 2 mehr als im Landesregister, 6 Kossäten ( Einer hat 2 Kossätenhöfe, nur Zwei haben keine eigenen Häuser, sie sind Weinmeister), 2 Kossäten sind wüst (sollen dem Kontur zuständig sein).

Dazu kommen noch 1 Schäfer des Rates, 1 Kostknecht des Komturs, 1 Hirte mit Vieh. Die Mühle von Kliestow liegt wüst.

 

1656                Die Pest wütet erneut in Kliestow. ► Hier ein Auszug aus dem Sterberegister der Kirche

                                       

1656                Pfarrer Heinrich Schulz kommt nach Kliestow. Er ist bis 1666 im Amt.

 

1658                12. März: In Kliestow wird Gottfried Gielisch getauft. Pfarrer Heinrich Schulz ist Taufpate. Schon vor 1658 ist ein Matthes Gielisch mit Ehefrau und Sohn Martin Gielisch nach Kliestow „zurück“ gekommen. Neben der Familie Nieguth ist dies der zweitälteste Nachweis einer Kliestower Familie. Nachkommen der Familie Nieguth gibt es in Klikestow nicht mehr, aber die Familie Gielisch gibt es immer noch im Winkelweg Nr.2.

 

1660                Der um dieser Zeit etwa eingeführte südliche Postkurs von Berlin über Frankfurt(Oder) nach Schlesien führte zuerst südlich von Müncheberg über Eggersdorf, Tempelberg, Hasenfelde, Wilmersdorf, Madlitzer Mühle, Sieversdorf, Booßen, Kliestow.

                        Mit dem Bau der Chaussee Berlin – Frankfurt in der Jahren 1802 bis 1803 verlief die Trasse über Müncheberg, Heinersdorf, Arensdorf, Petershagen, Treplin, Booßen, Kliestow, also der heutigen B 5.

                        Die Postlinien wurden nicht nur zur schnelleren Nachrichtenübermittlung der Regierung geschaffen, sondern weil auch den Handels- und Kaufleuten sehr daran gelegen war. So kamen sie, bedingt durch die schlechten Wege, mit ihren Pferde- bzw. Ochsengespannen nur 18 bis 25 km pro Tag weit. Für Fuhren mit der Gesamtlast von 4000- 5000 kg waren Gespanne mit 16 bis 18 Pferden notwendig.

                        Kliestow war sicherlich eine Zwischenstation für die Fuhrleute, denn 1801 beschrieb ein Reisender seinen Aufenthalt in unserem Dorf. 

                          

1666                Erwähnt werden 28 bewohnte Hufe, 1 Schäfer, 2 Kostknechte, 1 Hirte mit Vieh, 1 Laufschmied.

 

In Wiesbaden gab es einen Handwerker mit dem Namen Henrich Clistow.

 

1679                Bestand am 20. November: Die Feldmark in Cliestow ist 50 Hufen groß. Es gibt 11 Hüfner, 9 Kossähten, 1 Schmied, 2 Paar Hausleute, 2 Kostknechte, 1 Hirthe, (Nach der Nachricht vom Commissariat sind es 51 Hufen, 36 Contribuable (Zinspflichtige) und 15 Freihufen.

Der Comtor Herr Adam Georg von Schlieben ist Besitzer eines Teils von Kliestow     

 

1681                15. Juli: Auch das gab es schon in Kliestow bzw. in unserer Gegend: Eine große Heuschreckenplage.

 

1685                1684/1685 herrschte wieder eine große Dürre in unserer Gegend und dazwischen lagen langwidrige Winter.

 

1687                Es gibt 36 Bauernhufe ( 29 Hufe haben die Bauern , 7 Hufe der Herr Komtur)

                        8 Ganzkossäten (3 wüste Kossäten hat der Herr Komtur)

 

1690                Erste Notiz über die Schule in Kliestow. Als Lehrer ist ein Schneider tätig, der die Kinder in der Schneiderstube unterrichtet, die auch Wohnstube der Familie war. Alle öffentlichen Schreiben der Bewohner wurden aber vom Küster erledigt.

 

1706                Das Dorf hatte 2 Wassermühlen (► Thema 10 im Archiv) Sie befinden sich im Besitze eines Bauern, der dafür 2 Wistel Roggen und 36 Reichstaler dem Vorwerkspächter und 1 Wistel an das St. Georgen Hospital in Frankfurt entrichtete. Das Mühlengrundstück hatte eine Größe von 8 Morgen 50 Quadratruten.

 

Der Besitz des Rittergutes geht an den Rat der Stadt Frankfurt. Es wird von der Familie Schlieben für 24000 abgekauft. Mit diesem Kauf befinden sich nun alle freien Hufen, die nicht im Besitz von Bauern und Kossäten sind, in den Händen der Stadt. Es folgen nun mehrere Pächter bis 1854. Die Stadt Frankfurt verkauft es an den Gutsbesitzer Scherz.

                        (Besitzerfolge siehe Thema 6.2. Das Rittergut)

 

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1711                Kliestow zählt 8 Hüfner, 6 Kossäten, 1 Wohnschmied, 1 Hirte mit Vieh, der Schäfer hat als Meisterknecht 72 und der Hammelknecht 48 Schafe, aber keine Lämmerjungen.

36 Hufe sind à 7 Groschen wert.

 

1715/16           Die Kirche erhält eine Orgel für 60 Taler. Diese Orgel erhielt aber schon 1767 eine größere Reparatur.  

 

Heuschreckenplage in Lebuser Land, Frankfurt und somit auch in Kliestow

Man kann annehmen, dass zu dieser Zeit auch der Friedhof in Kliestow am Verbindungsweg von Kliestow nach Gronenfelde entstanden ist, denn schon auf einer Karte von 1844 ist er verzeichnet. Weitere Begräbnisse wurden aber weiterhin auf den Friedhof an der Kirche durchgeführt. Erst 1906 wurde er wieder nach einer Renovierung zur alleinigen Begräbnisstätte von Kliestow.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Ffo   Quelle: Klaus Fechner und Stadtarchiv Ffo

Artikel über die Heuschreckenplagen

 

Karte mit Kirchhof (Friedhof) 1844

 

 

 

1728                Am 18. August 1728 hat König Friedrich Wilhelm eine Verordnung erlassen, wonach alle Friedhöfe, die direkt neben der Kirche angelegt waren, vor die Tore der Stadt oder Abseits der Gemeinden zu verlegen sind (siehe Bild oben Kirchhof 1844).

 

 

1729                Die Angaben über die Wirtschafts- und Sozialstruktur erfolgt nicht mehr in Hufe.

                        Erstmals gibt es eine genauere Angabe über die gesamte Struktur.

                        Kliestow umfasst 3386 kleine Morgen (Mg) und 115 Quadratruten (QR).

                        Das Vorwerk mit 1372 kleinen Mg 43 QR, die Untertanen mit 2014 kleinen Mg 72 QR. ► Hier einige aktualisierte Besitzungen.

 

                       

  

1734                6 Bauern, 10 Kossäten, 2 Büdner, 7 Hausleute, 2 Müller, 1 Schmied, 1 Schäfer, 3 Hirten,  31 Frauen, 10 große Söhne, 9 große Töchter, 11 Söhne und 9 Töchter unter 10 Jahren, 13 Knechte, 8 Mägde. 124 Einwohner

 

1735                Die Schäferei zählte ein Bestand von 123 Schafen und 45 Lämmern.

                        Das Dorf Cliestow hatte ein ständiges Hütungsrevier von 55 Morgen, 122 Quadratruten. ► Die Schafhaltung unterlag einer besonderen Regelung. 

 

1738                F. W. Knüppel erstellte eine Karte der Frankfurter Höhengemarkung, auf der schon der Rohrpfuhl (Thema 8: Der Kleine Kliestower See) eingezeichnet ist (Bild links). Somit ist eindeutig belegt, dass der Rohrpfuhl nicht durch den Kohlebergbau entstanden ist, denn Kohle wurde erst 100 Jahre später gefördert.

Quelle: Klaus Fechner und Stadtarchiv Ffo

   

1745                7 Bauern, 10 Kossäten, 1 Vorwerk, 1 Wassermühle mit Gang, 2 Weinmeisterhäuser.

 

Weinbau in Kliestow: Auf der Gemarkung Kliestow liegen 7 Weinberge, die zur Lebuser Vorstadt gehören.

  

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Thema 11: Geschichtliche Daten 14.-16. Jh.

11.1.
Chronologie Teil 1
11.2.
Dörfer der Stadt
11.3.
Reichtum der Patrizier
11.4.
Frankfurter Gewässer
11.5.
Chronologie Teil 2

 

11.1. Chronologie Teil 1

1300: Die Verbindung von Frankfurt nach Lebus über den Wendischen Hof wird der so genannte „Lebuser Unterweg“ genannt. 

 

1405: Das Lebuser Stiftsregister wird aufgestellt. Das Register des Hochstifts Lebus befindet sich heute in einer Abschrift von 1462/1467 im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam. In ihm werden neben Kliestow unter anderen weitere Dörfer und heutige Stadtteile Frankfurts erstmals erwähnt, ebenso einzelne Personen, wie z. B. Hans von Hake oder Hans Kliestow: ► hier eine detailliertere Aufzählung.

 

1424: Erste Erwähnung einer Ragoser Mühle in Kliestow ► durch den Stadtschreiber Staius.

 

 

 

 

1432: In diesem Jahr erfolgte die Belehnung von Lorenz Kliestow mit den Besitzungen Kliestows durch Markgraf Johann.

(siehe Bild rechts)

 

► Hier eine ausführlicherer Text

 

 

 

1460: In den Schoßregistern heißt es: Clisto das Dorf ist der Stadt Frankfurt Eigentum. Wenn nun gleich der Schoßeinnehmer in Absicht des Eigentums sich im Irrtume befand, so ist doch aus dieser Angabe zu entnehmen, das die Bauern und Kossäten im Dorfe sämtlich einen Herren, und zwar dem Magistrate gehörten, der für seine Dörfer, er mochte sie als Lehen oder als Eigentum besitzen, den Schoß berichtigte.

 

1496: Der Anteil des Domkapitals an Kliestow ist 2 Vierhufner, 1 Zweihufner, 1 Einhufner.

 

1500 Ende des 15. Jahrhunderts Anfang 16.Jahrhundert entstand der Turm der Kirche mit dem Renaissancedach.

 

1500: Bericht von Ernst Walter Huth im Führer durch das Bezirksmuseum und die Geschichte von Frankfurt (Oder) 1964 über die Lage der Bauern:

 

Östlich der Elbe war mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft und der Beteiligung der Junker am Getreidehandel im 15. Jahrhundert schlechter geworden. Die Städte trachteten danach, es dem Adel im Ausbeuten der Bauern gleichzutun. In Nicolaus Teymlers Stadtbuch von Frankfurt, auf Anweisung des Rathes niedergeschrieben im Jahre 1516 steht geschrieben:

 

Landschos von der Stat Dorffern

„…vnd so vbert das gelt vom dem Adel von der Huben III IIII gr.

der mher vfgelegt, mussen des Rats Pavren deme Rat auch so vil geben.“

 

Gemeint sind Steuerabgaben an den Landesherrn, die der Adel ausschließlich von den Bauern aufbringen ließ und dabei noch durch Aufschläge selber einheimste. Das tat, siehe obige Anweisung, auch die Stadt, wobei ihr die Unverschämtheiten des Adels als Richtschnur dienten. Außer diesen Abgaben, die vom Landesherrn nicht regelmäßig, sondern je nach Bedarf und nach Aushandlung mit den Ständen willkürlich gefordert wurden, hatten die Bauern noch ständige Abgaben, wie Kirchenzehnt und Grundsteuern, aufzubringen.

 

Dazu kamen

  • viele andere Eintreibungen, so genannte Verehrungen an den Rat usw., die stets, gemäß den Gewohnheitsrechten des Mittelalters, zu ständigen Pflichten wurden.
  • Besonders drückend waren Dienste, die den Bauern auferlegt worden waren und die sie sehr an den eigenen Feldarbeiten hinderten.

Mit dem Aufkommen der Geldwirtschaft im 15. Jahrhundert waren die Bauern gern bereit, für etliche dieser Dienste ein Dienstgeld zu zahlen. Die geldlichen Forderungen konnten aber noch willkürlicher gefordert werden als die ursprünglichen Dienstleistungen und Naturalabgaben, die jetzt ebenfalls vielfach in Geldabgaben verwandelt wurden, so dass dadurch um 1500 in Deutschland die ersten Bauernunruhen auftraten. Man hat bisher immer geglaubt, dass Ostelbien davon nicht berührt wurde.

 

1516: Die Quellen lehren uns aber, das jetzt etwas anders zu sehen: Im Stadtbuch von steht: „….. Klisto hat sich nicht wollen mit dem rate vertragen.“  - siehe nachfolgenden Auszug 5. Zeile:

 

 

Die Bauern von Kliestow waren also nicht bereit weiter hohe Abgaben zu leisten. Der Landesherr, die Kirche, der Adel und die Patrizier, alle herrschenden Klassen und Stände der damaligen Gesellschaft, versuchten mit Gewalt, List oder Tücke das Letzte aus den Bauern herauszuholen. Bis in unserer Gegend breiten sich daher die Wellen der Bauernunruhen aus. Gegen die toleranteren Methoden der Stadt protestiert man zwar nur; den frommen, aber desto habgierigeren Karthäuser Mönchen aus der Gubener Vorstadt verweigern die Bauern von Brieskow schon 1476 ( vergl. das Auftreten des "Pfeifer Hänslein“ in Süddeutschland) den Dienst und jagen sie unter Mithilfe von anderen Klosterbauern aus dem Dorfe heraus. Erst ein großes Aufgebot der Stadt Frankfurt und Parteigängern aus den anderen Klosterdörfern konnte sie wieder zum Gehorsam zwingen.

 

1523 gärte es aber allgemein in diesen Dörfern, und man weigerte sich erfolgreich, für das Kloster dem Landesherrn Fuhrdienste nach Nürnberg zu leisten (1525 Ausbruch des großen deutschen Bauernkrieges)

 

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11.2. Die Dörfer der Stadt

Die unten aufgeführten Dörfer gehörten der Stadt schon im 14. Jahrhundert:

  • Kunersdorf 14 Hubener (mit insgesamt 34 Hufen Ackerland) 6 Kossäten (mit unter 1 Hufe Ackerland)
  • Rytwin 8 Hubener (mit insgesamt 15 Hufen Ackerland) 12 Kossaten
  • Dretin 11 Hubener (mit insgesamt 20 Hufen Ackerland) 14 Kossaten
  • Klisto 5 Hubener (mit insgesamt 12 Hufen Ackerland) (ein größerer Hof mit 10 halbe und 6 viertel Hufen)
  • Swetig 7 Hubener (mit insgesamt 7 Hufen Ackerland 6 Kossaten
  • Reyptzig 18 Hubener (mit insgesamt 19 Hufen Ackerland 18 Kossaten
  • Cynitz 13 Hubener (mit insgesamt 13 Hufen Ackerland 9 Kossaten
  • Czetzenow 6 Hubener (mit insgesamt 16 Hufen Ackerland 40 Kossäten mit sehr kleinem Landbesitz
  • Außerdem 20 Hubener mit insgesamt 42 Hufen vom ehemaligen Schulzenland
  • Bosen (hatte die Familie Petersdorf von der Stadt zu Lehen)

    Wenn in der Folgezeit keine mehr dazukamen und auch die Stadtkasse oftmals leer war, so lag das gewiss nicht an einem Nachlassen des Handels und damit der Bedeutung der Stadt, wie man das oft noch in älteren Untersuchungen nachlesen kann, sondern ganz einfach an der Tatsache, dass  sich jetzt aus den reichen Kaufleuten der Gründerzeit eine Schicht von Rentnern gebildet hatte, die ihre Gewinne aus dem Handel in Grundbesitz verwandelte und ihre Stadt, für die die Patrizier zuvor mit ihrem ganzen Vermögen gehaftet hatten, nun als zu melkende Kuh ansah. Alle Ratsmitglieder hielten sich weidlich schadlos am Stadtvermögen, und da sie das recht offen und schamlos taten, kam es des Öfteren zu Unruhen in der Stadt, wie wir noch erfahren werden.

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11.3. Der Reichtum der Frankfurter Patrizier

Das Vermögen der einzelnen Patrizierfamilien ist zu untersuchen, wenn man ein rechtes Bild von der Reichtumsanhäufung in dieser Stadt erlangen will. Nicht umsonst erregte das den Neid der umliegenden Junker und selbst der ersten Hohenzollern, die als arme Burggrafen von Nürnberg 1415 die Mark vom Kaiser Sigismund erhalten hatten. Paul Grosse, der wohl abgefeimteste hiesige Patrizier, hat sich durch Unterstützung des Rates lange mit ihnen um Dörfer und Besitzungen gestritten, die er sich angeblich durch Wucher und Betrug unrechtmäßig angeeignet haben soll. Die Hokemanns, Petersdorfs, Belkows usw. hatten alle mehrere Dörfer.

 

1396  gründeten Letztere mit einigen anderen Familien und der Stadt das reiche Carthäuser Kloster am heutigen Carthaus-Platz und vermachten ihm durch Spenden drei Dörfer (Niederjesar, Döbberin und Manschnow).

 

Der Übermut dieser reichen Familien ist in die Annalen eingegangen. So sollen noch Anfang des 16. Jahrhunderts die Belkows mit ihren Pferden in die Auslagen des Topfmarktes geritten sein und nicht eher geruht haben, bis alles in Scherben lag. Den schellenden Marktweibern bezahlten sie dann den Schaden großzügig. Außerdem weiß der Chronist Peter Haft zu berichten, dass sie ihre schweißnassen Reitpferde vor dem Ratskeller mit dem teuersten Wein haben abwaschen lassen. Das konnte auf die Dauer natürlich selbst das größte Vermögen nicht vertragen, so dass um 1540 der letzte Belkow, ein kleines verhutzeltes Männchen, mit seinem vergrämten Weibe bei den von ihren Vorfahren reich beschenkten Carthäuser Mönchen ein bitteres Gnadenbrot essen mussten. Ein Anwesen der Belkows stand am Salzmarkt

 

1509: Dieses Jahr wurde die Grenze zwischen dem Bischofssitz Lebus und Cliestow gezogen. Aus diesem Anlass sprach ein so genannter Doktor aus der Stadt Frankfurt

 

 

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11.4. Die Frankfurter Gewässer

1516: In einem Verzeichnis über die Frankfurter Gewässer finden wir unter anderem auch Angaben über Kliestower Gewässer. Folgendes steht geschrieben:

 

"Die Stadt Frankfurt hat etliche eigene Seen, darinnen niemand fischen soll ohne wissen und willen des Rates, der etwa viel sind, die findet man alle mit Namen beschrieben in einem alten roten pergamenten Buch am Ende des selbigen Buches."

 

Wir finden dort nachstehende Namen verzeichnet.

  1. Der See Klysto genannt hinter dem Wendischen Hofe (später Die Scheibe)
  2. die Lancke oben dem Wendischen Hofe und geht aus dem See, Klystow genannt
  3. genesyte (gegenseite) Klystow kegen d´`Bosen wert an Klystower Pul (sicherlich der Rohrpfuhl oder Kleiner Kliestower See)

 

Im Stadtbuch von 1516 finden wir einen Eintrag über Kliestow Seen und die Fischrechte (siehe oben). Die Kiezer - oder Kiser Fischer, die vor der Stadt (Lebuser Tor) eine eigene Siedlung hatten, erhielten von der Stadt das Recht allein in mehreren Gewässern, so auch in den Kliestowern, zu fischen. Dafür mussten sie vierteljährlich 12 Pfennige an den Rat zu Frankfurt zahlen.

 

 

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11.5. Chronologie Teil 2

1541: Es werden 66 Gulden und 8 Groschen Landsteuer erhoben.

 

1549: Die Mark Brandenburg wird von einer Pestwelle heimgesucht. Auch Kliestow wird davon betroffen und es sterben sehr viele Einwohner.

 

1550: Um Mitte dieses 16. Jahrhunderts wurden aus Kliestow folgende Abgaben an die Stadt Frankfurt geleistet:

  • von einen Bauern mit 4 Hufen 8 Schillinge 4 Groschen,
  • von 2 Bauern mit 3 Hufen von jedem 6 Schillinge 3 Groschen,
  • von 2 Kossäten mit 1 Hufe von jedem 25 Groschen.
  • Von 12 besetzten Hufen insgesamt 5 Schock und
  • von einem Acker im Kliestower Felde 30 Scheffel Hafer.
  • Der Lehnschulze in Kliestow hatte seine 3 Freihufen in früherer Zeit von dem Bischofe und gab dafür demselben 3 Schock zur Lehnware.

 Zu Kliestows Zins (Abgaben)

 

1552: Erneute Pest in Frankfurt und den umliegenden Dörfern.

 

1555: 48 Hufen von Kliestow ergeben 3 Schock und 12 Groschen Bischofszehnt.

 

 

 

1557: Andreas Muskulus, Professor an der Viadrina, bereitete den Wormser Disput der deutschen Katholiken und Protestanten um die Einheit der Kirche wesentlich mit vor, wenngleich er nicht teilnahm. Hier ein Artikel dazu in "Märkische Oderzeitung" vom 26.03.2011:

 

1558: Wegen der Grasung gab es Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Frankfurt und den Kliestowern. Es wurden dazu auch Zeugen verhört. (siehe 1934 „Ein Frankfurter Grenzvergleich“)

 

1560: Vermutlich wurde Kliestow erst jetzt evangelisch, trotzdem die Reformation 1539/1540 eingeführt wurde, denn 1550 starb der Lebuser Bischof Blumenthal und sein Nachfolger Bischof Johann Horneburg starb 1555. Er war ein strenger Katholik.

 

1562: Es existierte in Cliestow eine Schäferei mit 200 Schafen.

 

1563: Durch Andreas Muskulus wird die Pfarrstelle Kliestow mit dem Diakonat von St.Georg in Frankfurt verbunden. Sie ist ab dieser Zeit Tochterkirche von St.Georg.

 

1568:Am Karfreitag verschüttet beim Abendmahl der Kaplan Johann Muskulus Wein, das Blut Jesu, und tritt darin mit seinen Füßen. Er wird wegen dieser „Ungeheuerlichkeit“ des Landes verwiesen. Einen genaueren Bericht über diese Vorgänge wurde 1812 im Patriotischen Wochenblatt veröffentlicht (Bild links). Der Vater des Johannes Muskulus war Professor an der Frankfurter Universität „Viadrina“

 

 

Die Geschichte schlug damals so hohe Wellen, daß 1812/13 mehrere Wochenblätter erschienen.

 

► Hier die Wochenblätter zum Herunterladen (pdf 4,22 MB)

 

1585: Der neue Pfarrer Teckler von St. Georg und Kliestow heiratete bei seinem Amtsantritt die Witwe seines Vorgängers und somit zugleich in die Familie des Besitzers des Gutes Kliestow ein. Die Witwe, eine schon ältere Dame, war die Tochter vom Medizinalrat Dr. Knobloch aus Frankfurt der auch Besitzer des Freigutes in Kliestow ist. Pfarrer Teckler war der erste Pfarrer in Frankfurt, der einen Berufsbrief (heute Berufungsurkunde) hatte. Er erhielt somit die erste Pfarrstelle auf Lebenszeit, etwa eine Art Arbeitsvertrag.

1590: Im ältesten Bürgerbuch von Frankfurt sind Personen aufgelistet, die von 1580 bis 1699 durch Zuzug das Bürgerrecht von Frankfurt erworben haben. Darunter sind folgende Kliestower:

 

01. Schönfeld, Georg Klieste Tagelöhner 15.05.1590

02. Gleiser, Peter Kliest Fuhrmann 15.05.1590

03. Glieser, Andreas Klist (Kliestow) Fuhrmann 20.05.1590

04. Damin, Hans Kliestow Weinmeister 29.05.1590

05. Liebecke, Peter Kliestow Tagelöhner 30.05.1590

06. Ermell, Christian Kliestow Tagelöhner 19.03.1604

07. Gurisch, Michel Kliestow Fuhrmann 30.03.1604

08. Gurisch, Caspar Kliestow Fuhrmann 09.06.1608

09. Wilhelm, Merten Kliestow Tagelöhner 10.02.1610

10.Wilhelm, Heinrich Kliestow Tagelöhner 16.02.1610

11. Kloster, Andreas Kliestow Schneider 10.10.1612

12. Lütze, Christoff Kliestow Schlächter 25.05.1614

13. Kuhlingk, Merten Kliestow an den alten Damm 25.05.1614

14. Freiburch, George Kliestow am alten Damm 01.02.1617

15. Schultze, Bartel Kliestow Tagelöhner 08.03.1624

16. Schur, Michael Kliestow Fährmann 26.11.1649

17. Gorti, Greger Kliestow Zimmergeselle 29.07.1665

18. Hanschmann, Caspar Kliestow Bäcker 14.01.1689

19. Guhlisch, Gottfried Kliestow Weinmeister 17.03.1690

 

 

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Thema 10: Kliestower Mühlen

 

 

10.1. 

Erste Erwähnungen

10.2. 

Pohland-Bericht

10.3. 

Lage der Mühlen

10.4.

Chronologische Daten 

10.5 

Gegenwart

 

10.1. Erste Erwähnungen

Im Gegensatz zu heute gab es früher mehrere Mühlen in Kliestow. Die ältesten Nachweise über das Vorhandensein einer Mühle auf der Kliestower Gemarkung findet man in alten Urkunden bei „Riedel`s Sammlung der Urkunden, Chroniken, Geschichtsquellen der Mark Brandenburg“ Band 20 von 1861 im Stadtarchiv Frankfurt(Oder). Diese stammt schon aus dem Jahre 1328, als der Frankfurter Bürger Johannes dictus de Lichtenberg Besitzungen in Kliestow übernommen hatte. Diese Besitzungen und somit auch die Abgaben für die Mühle blieben bis zum Jahre 1436 in der Familie.

 

Die Brüder Janeke und Ulmann dicti Baldack überlassen 1328 12 Hufen im Dorfe Clestowe mit aller Gerechtigkeit frei von Bede (Lehnsdienst) und jeder Art Diensten, indem sie den Lehnsdienst auf ihr Gut in Lossow übernahmen, nebst 8 Schock jährlicher Hebung im Zoll zu Frankfurt an den Frankfurter Bürger Johannes dictus de Lichtenberg, der mit diesen Hufen von Markgraf Ludwig belehnt wird.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Auszug aus 1328

 

Auszug aus 1338

 

 

Johann von Lichtenberg wird ab 1338 vom Bischof Stephan der II. zu Lebus mit 12 Hufen in dem bischöflichen Dorfe Clistow mit aller Gerechtigkeit und einem halben Wistel Roggen aus der Kliestower Mühle belehnt.

 

Der Stadtschreiber Staius erwähnte erstmals 1424 eine Mühle in Kliestow.

 

 

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10.2. Bericht von M. Pohland für die Zeit von 1638 bis 1828

Holzschnitt mit Windmühle und Kliestower Kirche (Quelle: Klaus Fechner)

Über den Berufsstand „Müller“, den es über Jahrhunderte in Frankfurt (Oder) gab, gibt u. a. ein M. Pohland Auskunft. In seinem Bericht für die Zeit von 1638 bis 1828 werden Wassermühlen im Klingetal sowie zahlreiche Müller in den Kämmereidörfern erwähnt, zu denen auch Kliestow gehörte (siehe auch ►[Thema… ]). Das „Löbliche Müllerhandwerk“ hatte schon eine feste Genossenschaft gebildet, die sich „Gewerk“ nannte. Der Bericht erwähnt die Pflichten der Lehrlinge, erinnert an die Russenzeit 1759 in der Zeit der Schlacht bei Kunersdorf und an die Franzosenzeit während der Napoleonischen Besetzung 1806-1815.

 

► Den vollständigen Bericht können Sie hier abrufen (PDF-Datei 49 KB)

 

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10.3. Lage von Mühlen um Kliestow

Den ersten bildlichen Nachweis einer Windmühle auf der Gemarkung Kliestow finden wir auf der folgenden Karte von 1759. Sie befand sich etwa in der Höhe des Spitzkrugs an der Straße nach Berlin. Die Straße nach Lebus führte übrigens damals noch nicht vom Spitzkrug aus, sondern durch die jetzige Kliestower Straße in der Lebuser Vorstadt.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Karte von 1759

 

Karte von Schmettau 1767

 

 

 

 

 

 

 Nachweisung 1833

 

 

Auf der Karte von 1767 von Schmettau ist die Straßenführung besser zu erkennen. Auf dieser Karte ist die o. g. Windmühle ganz rechts unten in der Ecke eingezeichnet (nur Symbol, ohne Namen). Die Windmühle wurde von der Stadt in Erbpacht für 9 Reichsthaler (Rthlr) ausgegeben, die kleine Cunersdorfer Mühle übrigens für 75 Rthlr. (siehe Nachweisung für das Jahr 1833)

 

Auf der Karte von 1767 befinden sich außerdem folgende Wassermühlen: • Fischer Mühle (südlich von Kliestow an einem damaligen Fließ vom Kleinen Kliestower See zum Klingetal) • Vorder-, Mittel- und Hintermühle zwischen Bosen (heute Boßen) und Wulkow

 

 

Auf der Karte von 1785 werden zwei Wassermühlen (Ober- und Untermühle) verzeichnet. Am 11.02.1815 finden wir einen Artikel im Patriotischen Wochenblatt von Frankfurt. Die Bekanntmachung des öffentlichen Verkaufs betraf die Windmühle und die Ragoser Loh- und Mahlmühle des Mühlenmeisters Kohle.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Karte 1785

 

Bekanntmachung von 1815

 

Karte 1844

 

Karte 1845

 

 

Auf den Karten von 1844 bzw. 1845 sind die 3 Windmühlen und die Ragoser Wassermühle verzeichnet. Die drei Kliestower Windmühlen sowie die am Spitzkrug und die Kunersdorfer sind gleichzeitig als Geometrische Punkte ausgewiesen (s. Erläuterung auf der Karte von 1844). In der Frankfurter Oderzeitung von 1894 finden wir in der Bekanntgabe der Freiwilligen Versteigerung von Cliestower Mühlen nebst Land und Gemüse den Hinweis auf das Vorhandensein einer Günther´schen Mühle.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Foto: Familie Scherz, 1900

Versteigerung 1894

 

Foto mit Windmühle und Spitzkrug 1900

 

 

 

1900: Der Familie Scherz ist es zu verdanken dass es einen fotografischen Nachweis über das Vorhandensein einer Windmühle gab. Sie ist zwischen den Bäumen etwa in der Mitte des Bildes zu erkennen, daneben bei Vergrößerung des Bildes (bitte anklicken) auch ein Haus, genannt „Spitzkrug“.

 

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10.4. Chronologische Daten und Besitzer

In der folgenden ausführlichen Chronologie der Fundstellen zu Kliestower Mühlen gibt es auch zahlreiche Hinweise und Angaben zu mittelalterlichen und frühzeitlichen Maßen und Begriffen. Erläuterungen enthält Punkt 10.6. Begriffe.

 

►[Zur ausführlichen Chronologie der Mühleneinträge (PDF-Datei, 119 KB)]

 

Das Kirchenbuch von Kliestow weist Mühlenbesitzer, -meister, -gesellen und Mühlenbauern aus. Hier eine Auflistung aus dem 19. Jahrhundert.

 

►[Zu den Einträgen der Mühlenmeister und -Besitzer (PDF-Datei, 9 KB)]

 

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10.5. Gegenwart

Bisher wurde über das Vorhandensein von Kliestower Mühlen in der neuesten Zeit nur sehr wenig berichtet. Lediglich im Neuen Tag am 17.06. 1989 finden wir eine kurze Notiz über das Vorhandensein von Frankfurter und der ehemaligen Kliestower „Ragoser Mühle“.

 

 

 

   Foto: Klaus Fechner 2009   Foto: Klaus Fechner 2009   Foto: Klaus Fechner 2012

Artikel in "Neuer Tag" 1989

 

Fotos am Ort der ehemaligen Ragoser Talmühle 2009 und 2012

 

 

 

Von den Mühlen ist heute nichts mehr zu sehen. Wann sie ihre Produktion einstellten ist nicht belegt - und auch nicht, wann sie abgebrochen wurden. Die letzten gefundenen schriftlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahre 1905, auf Landkarten sind Windmühlen noch 1927 verzeichnet. Dort, wo etwa die Wassermühle Ragoser Mühle (Obermühle) stand, stehen heute andere Gebäude, die von einer Imkerei genutzt werden (s. Fotos oben).

 

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Thema 9: Der Hexenberg

9.1. 

Historie

9.2. 

Der Heilige Pfuhl

9.3.

Vor dem 2. Weltkrieg

9.4.

Siedlungsbau ab 1947 

9.5.

Der Anger 

9.6.

Landwirtschaft 

9.7. 

Aus den letzten Jahren

 

9.1. Historie  

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Erster Nachweis des Namens

auf einer Karte von 1886

 

 

 

Der Hexenberg ist eine Wohnsiedlung des Ortsteils Kliestow bei Frankfurt (Oder) und liegt nordwestlich von Kliestow. Sie liegt auf einer kleinen Geländeüberhöhung, daher wohl der gutgemeinte Zusatz ...berg.

Zu erreichen ist er von der Berliner Chaussee über den Kreisel Kliestow, Lebuser Straße, Wulkower Weg oder über die Lebuser Chaussee und Milchstraße.

 

Am Schnittpunkt des Wulkower Weges von Kliestow nach Wulkow und des Lebuser Weges von Booßen nach Wulkow liegt das Vorwerk Hexenberg (s. Karte 1980), ein einzelnes Gehöft.

 

Wie der Name Hexenberg entstand, ist nicht geklärt. Auf mehreren Landkarten ist diese winzige Erhöhung schon mit Hexenberg bezeichnet. Auf der Karte von 1895 (berichtigt 1934) wird in Kliestow eine Höhe von 57 und am Hexenberg eine Höhe von 65,4 m über NN angegeben. Die heutige Siedlung liegt tatsächlich über den umliegenden Landschaften.

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9.2. Der Heilige Pfuhl                                 

 

Zeitweilig nannte man die Hexenberg-Siedlung „Am Weiler“. Dieser Name bezog sich sicherlich auf einen kleinen See, der unweit des ehemaligen Bahndammes lag. Er wurde „Der Heilige Pfuhl“ genannt und war bis in die 60er Jahre ständig mit mehr oder weniger Wasser gefüllt. Schon auf einer Karte von 1785 war er verzeichnet. Der Name „Weiler“ ist jedoch auf keiner Karte zu finden.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 

 

Karte mit dem Heiligem Pfuhl von 1785

 

 

Dieser Pfuhl wurde in den 60er Jahren beseitigt, da er mitten in den Ackerflächen der LPG lag und die intensivere Nutzung der Ländereien behinderte. Die Firma Melde Melioration verlegte dazu von diesem Pfuhl aus Entwässerungsrohre durch die alte Eisenbahntrasse Frankfurt/O.-Kliestow-Lebus und durch die Lebuser Chaussee zu den Oderhängen, wodurch das Wasser abfließen konnte. Das Schilf und die Wasserpflanzen, die im Laufe der Jahrhunderte gewachsen sind, wurden entfernt und neue Erde angefahren, so dass eine Ackerfläche entstand.

 

 

 

Foto: Klaus Fechner, 2008

Sicht zum ehemaligen Heiligen Pfuhl (etwaige Lage im Feld mit Schrift dargestellt) vom höchsten Punkt Hexenbergs am Ende des Schönfließer Weges

 

 

Im Laufe der Jahre nach der Wende 1989 wurden die Entwässerungsrohre übrigens nicht mehr benötigt, gingen zum Teil defekt, sind teilweise versottet und verstopft. Das Wasser blieb immer mehr stehen und so bildete sich wieder ein flaches Gewässer mit Wasserpflanzen. Die Fläche kann somit nicht mehr beackert werden. Der Heilige Pfuhl ist wieder da, früher war er aber tiefer. 

 

Der heilige Pfuhl zeigt sich nach umfangreichen Regenfällen im Juni 2013

 

 

Foto: Klaus Fechner, Juni 2013

Blick in Richtung Hexenberg

 

 

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9.3. Vor dem Zweiten Weltkrieg

 

Quelle: Klaus Fechner, StadtarchivAuf der nebenstehenden Karte von 1894, die 1934 ergänzt wurde, sehen wir, dass dort, wo sich jetzt die Siedlung Hexenberg befindet, zwei Scheunen standen, auch im Lageplan eingezeichnet (oben links mit "Sch." abgekürzt).

 

Die Scheune 1 ist laut Erzählung der Kliestower Bürger Frau Elfriede Welenga und Herr Karl Kitzrow abgebrannt. Scheune 2 wurde laut Aussage von Günter Fröhlich durch einen Volltreffer im Krieg sehr stark zerstört.

 

Diese Scheunen gehörten zum ehemaligen Kliestower Gut der Familie Scherz. Die Reste wurden von den Bauern beim Bau der Siedlung abgetragen, als Baumaterial verwendet oder als Heizmaterial genutzt. Das Fundament der Scheune 1 wurde erst Anfang der sechziger Jahre von der LPG entfernt. Auf dem Fundament der Scheune 2 steht heute immer noch eine Garage.

 

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9.4. Siedlungsbau ab 1947

9.4.1. Die Blitzbauten 

 

 

In den Jahren 1947 bis 1950 entstanden durch ehemalige Landarbeiter und vertriebene Bauern aus dem Osten (zur DDR-Zeit auch Umsiedler genannt) 25 Bauerngehöfte. Der Standort der Siedlung war wohl deshalb so ausgewählt, weil die Neubauern im Rahmen der Bodenreform rings um ihre nun neu entstandene Siedlung jeder etwa 5 bis 6 Hektar Land erhalten hatten.

 

 

Bei der Entstehung der Siedlung 1947/48 wurde sicherlich auf Grund der alten Namensbezeichnung dieses Landfleckens der Name „Hexenberg“ gewählt.

 

 

Der Häuserbau erfolgte vorwiegend aus Ziegelsteinen von Abrissruinen der zertrümmerten Stadt Frankfurt (Oder). Unter anderem mit Rinder- oder Ochsengespannen wurden die Steine von Frankfurt geholt, da viele Neubauern noch keine Pferde hatten. Eine zeitaufwändige Arbeit war das, aber nach und nach standen dann die Häuser.

 

Quelle: Klaus Fechner   Foto: Klaus Fechner, 2011

Beispielhaus 1992

 

Beispielhaus 2011

 

 

 

Der Bau wurde dadurch erschwert, dass es zum Baubeginn noch kein Wasser gab und man nur eine Pumpe dafür zur Verfügung hatte bzw. man holte das benötigte Wasser auch mit großen Fässern vom Kliestower See.Eine provisorische Wasserleitung wurde  von Kliestow in Richtung Hexenberg auf die linke Seite des Wulkower Weges verlegt. Dazu weiß Frau Elfriede Welenga 2005 folgendes zu berichten:

 

„…jeder Einwohner hatte für das Verlegen der Wasserleitung einen Graben von 5 m Länge und zwei Meter Tiefe zu buddeln. Unvergessen: da eine Mitbewohnerin – sie hieß Roska – nicht graben konnte weil sie hoch schwanger war, buddelten andere Kliestower für sie mit…“.

 

 

Karl Kitzrow, ein Kliestower Bürger, erinnert sich, dass eigentlich die Neubauernhäuser entlang des Wulkower Weges Richtung Hexenberg entstehen sollten, da rechts und links des Weges ebenfalls Parzellen an die Neusiedler vergeben wurden. Auf Anweisung des damaligen Oberbürgermeisters der Stadtverwaltung Frankfurt – Herbert Jentsch – wurden die Häuser dann am Hexenberg, oder damals auch schon Weiler genannt, gebaut.  Der Frankfurter Bauhof war für den Bau der Häuser zuständig.

 

Die Neubauernhäuser waren Wohnstallgebäude. Im vorderen Teil, zur Straße, befand sich der Wohnbereich mit Flur, Küche, Wohn- und Schlafzimmer. Vom Flur führte eine Treppe zum Keller und zum Boden. Hier waren in manchen Häusern noch zwei kleine Zimmer zum Wohnen eingerichtet. Mehrere Bauern errichteten sich hier auch eine kleine Räucherkammer, da für die Eigenversorgung sehr viel Hausgeschlachtet wurde. Der Aufbau der einzelnen Häuser erfolgte sehr zügig trotz der erwähnten Schwierigkeiten und deshalb nannte man sie „Blitzbauten“. Heute sind alle Häuser modernisiert und den Stall als solchen gibt es so nicht mehr.

 

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9.4.2. Lageplan der Siedlungsgrundstücke

 

 

 

 

  Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 Erste Häuser 1948

 

 

Am 03. Juni 1946 erhielten 29 Kliestower Neubauern incl. die Hexenberger Neubauern das erste Vieh, (verteilt durch die Stadtverwaltung Frankfurt) und zwar: 11 Pferde, 15 Kühe, 4 Färsen, 3 Kälber, 2 Schweine und 10 Schafe. Wobei die Zuteilung an die Hexenberger sehr mager ausfiel, bedingt dadurch, dass die Gebäude noch nicht standen, und somit notwendige Stallungen fehlten.

   

Den Grund und Boden erhielten die Bauern durch die Bodenreform schon im Oktober 1945.

 

Natürlich wurde sofort mit der Bearbeitung angefangen, die Wintersaat wurde noch eingebracht, so das 1946 die erste Ernte eingefahren wurde. Die Grundstücke für den Häuserbau waren vergeben.

 

Die ersten Häuser wurden aber erst 1947 gebaut und 1948 bezugsfertig übergeben.

 

 

 

Die ersten Hexenbergbewohner waren:

 

 

Lageplan der Grundstücke (Vorwerk Hexenberg (Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv)01  Richard Wolf               

02  Robert_Koster                                            

03  Ernst_Rudolf_Feldner                                       

04  Herbert Roska              

05  Fritz Mildes                  

06  Friedrich Schneider      

07  Rudolf Wenk                                                   

08  Friedrich Koster                                               

09  Adolf Pinior                 

10  Otto Rabbach               

11  Karl Linke                                                        

12  Richard Hirschmann    

13  (unbekannt)

14  Herrmann Thomet        

15  Martha_Zeitz                                                                                    

16  Max Fröhlich                

17  Otto Fabianke              

18  Fam. Horn                                                        

19  Eugen Pohl                   

20  Fam. Bockhold               

21  Karl Ignatius                 

22  Fam. Parlov                   

23  Hans Neuendorf          

24  Fam. Witter             

25  Fam. Schlicht

 

Vorwerk Hexenberg (siehe oben Karte von 1980)

01    Paul Peil                       

02    Fam. Hennig

 

 

 

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9.4.3. Bergwerksschäden

Es stellte sich heraus, dass dieses Gelände zum Anfang aber ungünstig war, denn es befand sich dort ein ehemaliges Grubengelände und die ersten Häuser befanden sich in einer Senke, wo sich das Regen- und Schmelzwasser sammelte. Vom zweiten bis zum fünften Haus rechts und links zu Beginn der Siedlung im Wulkower Weg und bis zum Schönfließer Weg stand das Wasser in den Häusern bis zu den Kellerdecken. Durch Meliorationsarbeiten wurde aber das Problem bald behoben. 

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus Fechner

Karte des Hexenbergs mit

grau unterlegtem Kohleflöz

 

Grube des abgesenkten Hauses

 

 

Der Kartenauszug links zeigt, dass ein Kohleflöz (grau hinterlegt) quer durch die Siedlung verlief. Ein Gebäude, das starke Risse durch die Bodenabsenkung erhielt, war somit nicht mehr bewohnbar. Die Bewohner waren gezwungen sich ein neues Haus zu bauen. Bis auf einen Schuppen, der stark absackte, ist dann nichts weiter passiert. Die durch den Kohleabbau entstandenen Hohlräume wurden in jüngster Zeit so verdichtet, dass auf diesen und weiteren Grundstücken Neubauten, so im Schönfließer Weg, entstehen konnten. 

 

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9.5. Der Anger

 

 

Kurz nach dem Bau wurde der Anger und der Randstreifen rechts und links davon mit schnell wachsenden Spitzpappeln bepflanzt. Diese Pappeln wurden aber ab den 80er nach und nach gefällt, da sie brüchig und morsch waren und somit bei Sturm eine Gefahr darstellten.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Foto: Klaus Fechner, 2011

Der Anger 1992

 

Der Anger 2011

 

 

 

Foto: Klaus Fechner, 2008Auf den Bildern von 1992 sind die alten Bäume noch vorhanden. Anfang 2000 wurde der Anger wieder mit neuen Bäumen bepflanzt. Beim Beseitigen der alten Bäume und des Gestrüpps wurde leider auch die alte Pumpe mit entsorgt. Folgendes ist am 03.12.2004 in der Märkischen Oderzeitung darüber zu lesen:

 

Bei der Neugestaltung des Angers beachtete man aber die Eingabe und stellte wieder zur Freude der Kliestower und Hexenberger Bewohner die Pumpe als Erinnerungsdenkmal  an ihren ehemaligen Standort auf. Das Bild links dazu wurde im Jahre 2008 aufgenommen.

 

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9.6. Landwirtschaft

Viele Bauern hatten wie schon erwähnt zum Start nur Ochsengespanne bzw. Kuhgespanne zur Bestellung ihrer Felder. Das Foto ist von 1946 und ist vom Hexenberg in Richtung Kliestow aufgenommen. Im Hintergrund ist ganz klein die Kliestower Kirche zu sehen.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Ochsengespann 1946

 

 

Die Neubauern hatten wenig Möglichkeit das Getreide auf ihren eigenen Grundstücken zu lagern. Scheunen waren auf dem Hexenberg nicht mehr vorhanden, außer in Kliestow eine große Feldscheune, links neben der Berliner Chaussee am Weg zum Kleinen Kliestower See. Diese wurde auch teilweise von den Hexenberger Bauern benutzt.

 

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 Getreideschober mit Dreschkasten
 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv      

 Strohschober nach dem Dreschen

 

Da der Weg bis dorthin aber verhältnismäßig lang war wurde das Getreide zuerst in Form von Getreidemieten auf den Grundstücken bis zum Dreschen eingelagert. Man versuchte dort, wo schon Strom existierte damit auch den Dreschkasten zu betreiben. Das Stromnetz und die Steckdosen im Haus waren aber zu schwach ausgelegt und wurden heiß. Zuerst wurde dann direkt die Freileitung am Haus „angezapft“. Da dies auch mit hohem Aufwand verbunden war ging man wieder über zum Traktorenantrieb. Der Dreschkasten musste so aber von Grundstück zu Grundstück geschleppt werden. Man beschloss deshalb einen gemeinsamen Dreschplatz anzulegen. Es wurden immer 2 Getreidemieten nebeneinander gesetzt, und dann das Getreide von den Mieten rechts bzw. links gedroschen. Das Stroh wurde dann gleich daneben als Strohmiete gesetzt. Der Dreschkasten brauchte somit nur von 2 Mieten zu den nächsten 2 Mieten umgesetzt werden. Angetrieben wurde der Dreschkasten zuerst meistens von einem Traktor „Pionier“, einem Lanz Bulldog oder einer „Dampfmaschine“. Etwas später wurde zu diesem Dreschplatz auch ein Starkstromkabel gelegt, so dass der Antrieb dann mit Elektromotoren erfolgen konnte. Das wenige Vieh der Neubauern war größtenteils im alten Rinderstall des Gutes untergebracht.

Der gemeinsame „Dreschplatz“ wurde noch zum Teil bis Ende der fünfziger Jahre genutzt, bis zur Gründung der LPG (siehe Lageplan).

 

 

 

 

 

Bewässerung der hochliegenden Felder 

Anfang der sechziger Jahre wurden auf der rechten Seite des Schönfließer Weges mehrere große Betonwasserbecken mit einer Pumpstation durch die LPG gebaut. Die Becken wurden mit Abwasser der Stadt Frankfurt gefüllt und das dann auf die Felder verrieselt wurde. Bei großer Trockenheit pumpte man zusätzlich noch Oderwasser in die Auffangbecken.

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv    

Wasserbecken

  

Das Steigrohr mit Storchennest

 

 

 

Auf dem Bild rechts ist das dicke Steigerohr und das dünne Überlaufrohr  zusehen. Das Abwasser bzw. Oderwasser wurde in das dicke Rohr gepumpt und über das dünne Rohr floss das Wasser in die Auffangbecken. Von hier ging es dann zu den Berieselungsanlagen.

Die Gebäude und die Wasserbecken, welche heute nur noch mit Regenwasser gefüllt sind, sind noch vorhanden.

 

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9.7. Aus den letzten Jahren

 

 

   
  MOZ 14.07.2006

 

Besonders interessant fand dieses verlassende Fleckchen, wie man im obigen Bild erkennen kann, die Familie Adebar. Vor Jahren schon baute ein Storchenpärchen sein Nest auf dem Steigerohr aus Stahl und bewohnt dieses Nest, zur Freude der Hexenberger Bewohner, nun auch schon über mehrere Jahre.

Und so stand es am 14. Juli 2006 in der Märkischen Oderzeitung (links)

 

 

Trotz 60 Jahre Kriegsende findet man noch immer schreckliche Überbleibsel . So z. B. 2006 bei Erdarbeiten eine Splitterbombe.

 

 

Für eventuelle Notfälle z. B. Brand war es nach dem Bau der Häuser notwendig Anfang der 50er Jahre ein Wasserreservat zu erschaffen. So wurde inmitten der Siedlung, auf dem Anger, eine Zisterne mit etwa 50 Kubikmeter Wasserinhalt gebaut. Für die Erhaltung der Sicherheit wurde in den zurückliegenden Jahren nichts getan.

 

Wolfgang Welenga, Wehrleiter der Feuerwehr Kliestow, damals Mitglied des Ortsbeirates und seit 2008 ehrenamtlicher Ortsvorsteher, erkannte 2008 zu recht diese Gefahrenquelle und forderte Abhilfe.

 

 

 

 

Die Stadt reagierte sehr schnell und beseitigte diesen Makel.

 

In der Märkischen Oderzeitung war folgendes dazu zu lesen: 

 

 

 
   

 

MOZ vom 10. April 2008

 

MOZ vom 19. April 2008

 

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Thema 8: Der Kleine Kliestower See

8.1. Lage und Bezeichnungen

8.2. Entstehung

8.3. Badesee

8.4. Fischereigewässer 

8.5. Nutzung zur Bewässerung

 

   

8.1. Lage und Bezeichnungen

 

 

 Karte von 1738: Am Bildrand unten das Dorf Kliestow, etwa in Bildmitte der Rohrpfuhl,

in der rechten unteren Ecke der Weg nach Booßen (von oben nach unten Süd-Nord-Sicht)

Karte von 1785: Der Rohr-Pfuhl rechts unten

(von oben nach unten Nord-Süd-Richtung)

 

 

 

 

 

 

Der Kleine Kliestower See liegt südlich von Kliestow und ist von dort über einen Feldweg von der Berliner Chaussee (

Bundesstraße B 5) aus zu erreichen. Heute schließt sich direkt die Heimkehrsiedlung an.

 

 

Der Kleine Kliestower See ist etwa 0,94 ha groß und sehr ruhig gelegen. Er soll bis zu 10 m tief sein.

 

Auf vielen Landkarten wird er auch als "Rohrpfuhl" bezeichnet. Diesen Namen finden wir schon auf Karten vom Jahre 1738 bzw. 1785 (siehe oben) und in jüngerer Zeit. Einen "Pfuhl" nannte man ein Stillgewässer oder auch Dorftümpel. Eine Bushaltestelle der Linien 968, 970 und 981 an der B 5 trägt auch diesen Namen.

 

In einem Artikel der MOZ (Jörg Kotterba: „Natur pur am Rande der Stadt“, MOZ vom 27.07.2011) wird eine weitere Bezeichnung erwähnt:„Gronenfelder Pfuhl“ nach dem unweit gelegenen Gut Gronenfelde

 

 

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8.2. Entstehung

 

Über die Entstehung des Sees gab es zwei Vermutungen:

1. Der See ist ein Bergbaurestloch und

2. er ist entstanden auf natürliche Weise.

 

Die erste Aussage ist falsch, denn der Bergbau um Kliestow begann erst 1842 (siehe auch Thema 5 Bergbau)

Am 08.04.2003 ist dazu folgendes in der Märkischen Oderzeitung zu lesen:

 „Der Rohrpfuhl – ein Überbleibsel aus Zeiten vom Schacht "Armin" und Schacht "Körner"?  

In den „Gronenfelder Blättern“, die Rolf Haak mit anderen Hobbyhistorikern aus der Heimkehrsiedlung aus der Taufe hoben, wie auch im Luftbild-Text der MOZ über die Heimkehrsiedlung vom 11. März wird – so  der Historiker Joachim Schneider – der Eindruck erweckt, „dass der Rohrpfuhl ein Relikt der Braunkohlenförderung sei. Man bezeichnet ihn heute vielfach als Tagebau – Restloch.

Das ist falsch“, korrigiert Joachim Schneider, „ es gibt immer und immer wieder hartnäckige Gerüchte, die einfach nicht tot zu kriegen sind“.

Es gibt eine „Karte der Höhengemarkung von Frankfurt a. d. Oder aus dem Jahre 1738“, die von F. W. Knüppel seinerzeit erarbeitet wurde.

Darin ist südlich vom Dorf Kliestow ein Gewässer mit der handschriftlichen Markierung „Rohrpfuhl“ angegeben. Joachim Schneider: „Da die Braunkohlenförderung in diesem Gebiet erst reichlich hundert Jahre später einsetzte, ist die Bezeichnung „Tagebaurestloch“ oder auch nur Restloch nicht zutreffend. Ich fand diese Erkenntnis auch bei einem Gespräch mit der Bergsicherung bestätigt. Die ursprüngliche Schützenhilfe für die Gronenfelder Heimatforscher durch das Landesamt für Geowissenschaften beruhte allein auf der Tatsache, dass dort die Karte nicht bekannt war“. Das sei inzwischen aber nicht mehr der aktuelle Wissensstand des Landesamtes.

Auf der Karte anno 1738 steht das heutige Klingetal auf dem „Kliestower Feld“, auf großen und kleinen „Kehler – Stücken“ und auf „See – Caveln“. Joachim Schneider: „ Mich würde schon interessieren, was früher Caveln und Kehler waren“.  

Beim Betrachten der MOZ – Luftbilder, die das Klingetal vom Gronenfelder Weg bis zum Rohrpfuhl zeigten, erinnerte sich Joachim Schneider an das ehemalige Kriegsgefangenenlager.

„Die so genannte Wolke – Siedlung am Ulmen- und Gronenfelder Weg steht genau an jener Stelle, wo sich kurz zuvor noch ein Bau aus der Lagerzeit 1914/19 befand. Es war das Badehaus, das nach mehreren Umbauten zuletzt als Kindergarten diente“. Dass in der Siedlung der letzte Kriegsschaden von 1945 zu tilgen sei, würde man an dem durch Brandschaden halbierten Haus im Dornenweg sehen.“

 

In den Jahren der Kohleförderung hat dieser See sicherlich nicht mehr existiert, da sich viele Flöze unter dem See befanden. Auch ein Wetterloch zur Frischluftzufuhr befand sich damals etwa in der Mitte des Sees. (siehe nachfolgende Grubenkarte)              

 

 

 

Nach Beendigung des Bergbaus um 1925 hat sich die Natur offensichtlich ihren ursprünglichen Zustand zurückerobert und an der Stelle der Grube Armin den See wiederentstehen lassen. Er ist also kein Bergbaurestloch oder „Baggersee“, wie ihn selbst heute noch der DAV im Gewässersteckbrief bezeichnet.

 

 

 

 

 Karte von 1767 Schmettau

 Karte von etwa 1835 A.G.Bürk

 

 

Auf diesen beiden Karten sehen wir eine Verbindung des kleinen Kliestower Sees zum Bachlauf der Klinge. Diese oberirdische Verbindung gibt es nicht (mehr). 

Ob sie wirklich bestanden hat ist aber trotzdem nicht eindeutig bewiesen,denn nirgends sonst findet man eine Beschreibung darüber.

 

Im Bild links ist der Rohrpfuhl unterhalb (südlich) Kliestows zu erkennen mit einem Ausfluß zum unteren Bildrand (forführend Richtung Klingetal).

 

Im Bild rechts ist unterhalb Cliestows in Bildmitte der Rohrpfuhl zu erkennen mit einem deutlich eingezeichneten Fließ zur in den Nuhnen entspringenden Klinge.

 

 

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8.3. Badesee

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild rechts: Aufnahme von 1957. Blick über den See in Richtung Kliestow mit Badestelle. War beliebt, da man mit Anlauf von der „Steilküste“ aus ins Wasser springen konnte. Im Hintergrund sieht man noch das Dach der ehemaligen Feldscheune und dahinter den Schornstein der Brennerei von Kliestow. 

 Aufnahme von 1957. Blick über den See in Richtung Kliestow mit Badestelle (Quelle: Klaus Fechner)

 

  

Schon immer wurde der See als Badesee genutzt, besonders in den 1950er und 1960er Jahren, nicht nur von den Heimkehrsiedlern und den Kliestowern, sondern auch von den Frankfurtern. In dieser Zeit wurde er auch als „Pattenpul“ bezeichnet, weil man das Froschkonzert bis in die Heimkehrsiedlung hörte.

Von den nach dem 2. Weltkrieg auch in Frankfurt stationierten sowjetischen Truppen wurden zwei Holzstege gebaut, weil der See auch zum Schwimmen der Russen mit Uniform diente.

 

Herr Rolf Haak (Jahrgang 1935) berichtet folgendes, da sein Haus keine 300 Meter vom See entfernt steht:

„Der Teich ist etwa 10 Meter tief. Früher war er unser Badeteich. Kurz nach dem Krieg bauten meine Freunde und ich aus alten Verpflegungsbomben kleine Paddelboote. Da krochen wir rein und fühlten uns wie Ozean–Kapitäne“,

erinnert sich der gelernte Schneider und ehemalige Lehrer.

 

Jahre später ertrank im Pfuhl ein Kind. Auch zwei Soldaten der Roten Armee sollen im Kleinen Kliestower See umgekommen sein. „ Sie mussten während einer Übung mit Uniform und mit der Waffe den See überqueren, konnten aber nicht schwimmen, so hatte Rolf Haak es gehört. 

 

 

 

 

 

 

 Foto 1957: Blick vom Ulmenweg nach Norden zur Abraumhalde der Grube Armin (Quelle: Klaus Fechner)

Foto Blick vom Nordufer über den See im Mai (Quelle: KLaus Fechner)

Foto Ansicht im Winter (Quelle Kllaus Fechner)

1957: Blick vom Ulmenweg nach Norden zur Abraumhalde der Grube Armin. Im Gegensatz zu heute sehen wir um den See sehr wenig Baumbestand.   Blick vom Nordufer über den See im Mai Ansicht im Winter

 

 

 

 

 

 

 

Nicht nur im Sommer zum Baden, sondern auch im Winter zum Schlittschuhlaufen oder zum Eisangeln ist der See bestens geeignet.

 

Zeitungsartikel aus der MOZ: "Eisiges Wochend-Vergnügen" (Quelle: Klaus Fechner)

 

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   8.4. Fischereigewässer      

 

Leserfoto: "Aus längst vergangenen Zeiten" (Schild "Sportgewässer") aus der MOZ (Quelle: KLaus Fechner)  

 

In ihm tummeln sich trotz seiner geringen Größe reichlich Fische wie

Er ist ein Gewässer des DAV, Anglerverband Frankfurt (Oder) e. V., (Gewässer-Nr. 4260; Verbands-Nr. Nr. F 31-102), der auch ständig für neuen Fischbesatz sorgt. 

 

 

Am 10. September 1963 erscheint der unten stehende Bericht im "Neuen Tag", der damaligen DDR-Bezirkszeitung. Das im Artikel erwähnte „Kulturzentrum“ ist bis heute dank der Mitglieder des DAV erhalten geblieben. Jedes Jahr werden Arbeitseinsätze zur Pflege durchgeführt. Eigenleistungen wurden damals im Rahmen des "Nationalen Aufbauwerks" (NAW) erbracht, auch heute ist Engagement der Mitglieder gefragt. Notwendige Gelder werden zum Beispiel durch den Gewinn aus den Verkauf der Schrottsammlungen der Jugendangler erwirtschaftet. Ein besonderer Höhepunkt ist über mehrere Jahre schon das Anglerfest im Monat Juli mit Fritze Bollmann und ein früher Auftritt der "Devil Dancers".

 

 

Artikel aus "Neuer Tag" vom 10.09.1963 "Kulturzentrum am See" (Quelle: Klaus Fechner)   

   

Artikel in "Neuer Tag" 10.09.1963

 

Artikel in" MOZ"

 

Artikel in "MOZ"

 

 

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8.5. Nutzung zur Bewässerung

In den siebziger und achtziger Jahren wurde das Wasser des Sees zur Bewässerung der Gemüsefelder, der Blumenzucht - vorwiegend Tulpen der GPG "Frohe Zukunft" genutzt. Der Wasserstand wurde durch das Abpumpen  gleichfalls geregelt. Heute ist der Wasserstand viel zu hoch, denn es wird nicht mehr abgepumpt, und auch geschuldet sicherlich noch zusätzlich dadurch, dass die ehemaligen Bergwerkstollen in den letzten 5 Jahren notwendiger Weise aber mit Hochofenasche verdichtet wurden. Es versickert somit zu wenig Wasser.

 

 

 

Zeitungsfoto von M. Schulze 1992: Kinder auf der Liegewiese am Kleinen Kliestower See, mittig sichtbar ein Absaugrohr (Quelle: Klaus Fechner)

    

In der Mitte des Bildes von 1992 aus der MOZ 1992 sehen wir das Ansaugrohr für die Berieselungsanlage der Tulpenfelder, die sich vom See bis zum ehemaligen Bahndamm erstreckten. Im Hintergrund sieht man die weißen Treibhäuser der GPG.  

                 

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Thema 7: Weinanbau

7.1.

Lage der Weinhänge in Kliestow

7.2.

Anfänge im Mittelalter und Blüte in der Neuzeits

7.3.

Zeitgenössische Beurteilung des märkischen Weins

7.4.

nachgewiesene Besitzer von Weingütern 

7.5. 

Die Ratsaufsicht über den Weinbau

7.6. 

Abwehr der Anordnung zur Beendigung des Weinbaus von 1740

7.7. 

Das Ende des Weinbaus im 19. Jh.

 

 

7.1. Lage der Weinhänge in Kliestow

Wenn man den Weinanbau von Kliestow beschreiben möchte, so muss man den Anbau der Weinreben im gesamten Stadtgebiet Frankfurts betrachten, denn die Weinberge zogen sich von der Gemarkung Kliestow nördlich Frankfurts über die Berge der Halben Stadt im Stadtzentrum bis zur Gemarkung Tzschetzschnow (Güldenberg bzw. heutiges Güldendorf)) im Süden der Stadt hin.

 

Alle Weinanbauer um Frankfurt bildeten eine Zunft.

 

Auf der Karte sehen wir einen Weg mit dem Namen „Weinmeister Weg“ der vom Spitzkrug aus durch die Kliestower Weinberge zum Ragoser Talweg führte. Heute ist er nicht mehr vorhanden und auf dem Gelände befinden sich eine Brauerei und ein Autohaus.

 

Übrigens gibt es auch im Ortsteil Güldendorf heute noch eine Straße namens „Weinberge“.

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 
 Karte Kliestows Anfang des 20. Jahrhunderts mit "Weinmeisterweg" 

 

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7.2. Anfänge im Mittelalter und Blüte des Weinbaus in der Neuzeit

Albrecht der Bär, der das fränkische und rheinische Volk an der Oder angesiedelt hatte, soll auch die Reben aus dieser Gegend mitgebracht haben, denn die hier angesiedelten fränkischen Kollonisten wollten auf ihre eigenen Weine nicht verzichten, und so bepflanzten sie die im Süden und Westen gelegenen Höhen der Stadt mit der Weinrebe. Es gab schon um 1300 an den westlichen Oderhängen nördlich und südlich der Stadt Rebenkulturen. (Natur und Geschichte 1928 von Dr. Gerhard Köster). Bereits 1323 verpfändet die Stadt Frankfurt für 12 Pfund Silber, mit welchen Johann und Henning von Lichtenberg einen in der Marienkirche gestifteten Altar gewidmet hatten, ihre Weinberge und liegenden Gründe außerhalb der Stadt. (Riedel I. 23 Nr.23). Dieser Johann Lichtenberg wird 1328 Besitzer des Vorwerks Kliestow (siehe Beschreibung der Güter in Kliestow). Es ist deshalb auch anzunehmen, dass sich der „Weinberg außerhalb der Stadt“ auf der Gemarkung Kliestow befand, und deshalb Johann Lichtenberg das Vorwerk Kliestow übernommen hat.

Seine Blüte erlebte die Rebenkultur bei Lossow, Kliestow, Tzetschnow, Lebus und Brieskow vor dem 30-jährigen Krieg (1618-1648). So wird etwa ab 1500 auch in Kliestow vom Weinberg gesprochen (meist im Besitz der Herrschaft).

 

Georg Sabinus, Schwiegersohn von Melanchthon, der liederreiche Professor an der Universität Viadrina von 1538- 1545, preist Frankfurt mit einem Lied in seiner 13 Elegie:

 

„Die Hügel, unter welchen der Schauplatz der Musen liegt,

schmücken ihre Spitzen mit dem Rebengewand,

denn solche Gegenden sind ihnen die angenehmsten,

welche der mit grünem Weinlaub umgürtete Bacchus liebt!“

  

Die Anzahl der Weingärten nahm rasant zu, denn am Ausgang des 16. Jahrhunderts gab es davon 52 mit einem Flächeninhalt von fast 72 Morgen. Es gab die Sorten Gemeinrothen und Kleberothen, und von den weißen Rebsorten den Schönedel und Elbing. (Gesch. der Universität.)

Bald gab es viele reiche Bürger, die Besitzer von Weinbergen waren, auch Winzer existierten schon, die vom Ertrag des Weinanbaus lebten. Und bereits im Jahre 1357 war hier folgende Verfügung erlassen worden:

 

"…zum allgemeinen Besten und nach dem Willen aller Bürger sind die Rathsmänner einträglich beisammen gesessen und haben das Gesetz gemacht, dass man in der Stadt Frankfurt, keinen fremden Landwein schenken sollt, weder den von Guben noch den von Sommerfeld, noch von irgend einer anderen Stadt, sondern nur solchen Wein, der zu Frankfurt gewachsen ist...".

 

Auch noch 1437 ist in einer alten Jahresrechnung der Stadt Frankfurt an der Oder folgendes vermerkt: „Fremde Weine zu schenken hat man nicht gestattet, darum dies Jahr Merten Cran in Straf genommen. (Aufgeschrieben vom Stadtschreiber Staius im Jahre 1571).

 

Der Kurfürst versuchte zwar nach dem 30-jährigen Krieg den Weinbau wieder zu forcieren. Ebenso den Obstbau, der auch von den Weinbauern betrieben wurde. So wurden Weine und Moste aus dieser Gegend bald wieder ausgeführt, gingen nach Polen, Mecklenburg, Pommern und Schweden. Aus Wein bereiteter Mostrich und junge Obstbäume gingen nach Westdeutschland.

 

 

In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es 124 Weinberge in der Umgebung Frankfurts, wovon sieben auf Kliestower Grund lagen. Ihre Größen waren:

1. = 3 Morgen (M), 127 Quadratruten (Qur);

2. = 3 M, 56 Qur;

3. = 5 M, 62 Qur;

4. = 7 M, 166 Qur;

5. = 8 M, 19 Qur;          

6. = 9 M, 179 Qur;

7. = 10 M, 35 Qur. 

 

1759 haben sieben, meist Frankfurter Bürger, zusammen 47 kleine Morgen 244 Quadratruten Weinberg. Eine Quadratrute sind heute 14,184 Quadratmeter. 

1796/97 belief sich der Ertrag aller Franfurter Weingärten auf 787 ½ Eimer (1 Eimer = 60 Quart).

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 7.3. Zeitgenössische Beurteilungen des märkischen Weins

Märkischer Wein gehörte wegen des schlechten Klimas im Norden und des Bodens niemals zu den besseren Weinen. Vielmehr ging von ihm der Spruch aus:

 

"Vinum de Marchica Terra Transit guttur tanguam serra." 

 

Zu Deutsch:

„Vom märkischen Lande der Wein, fährt  wie eine Säge zur Kehle hinein.“  

 

Wie der Geschmack des hier produzierten Weines tatsächlich war, können wir nicht mehr nachvollziehen. Dass der Weinanbau in dieser Region Jahrhunderte lang betrieben wurde, der Wein wichtiger Ausfuhrartikel war, ist Tatsache, größtenteils wurde er aber im eigenen Lande verzehrt.  Oft wurden die rebenumkränzten Höhen um Frankfurt gerühmt und auch der Wein fand wohl seine Liebhaber, nicht nur unter den Studenten und Professoren der Universität, wurde gar als „liebreich Getränk“ bezeichnet. Andere behaupteten dagegen, Brandenburger Weine schmeckten wenig besser als guter Essig und haben den Beigeschmack von Käfern, die in Spiritus eingelegt seien.

 

Ob die Frankfurter tatsächlich, wie behauptet wurde, ihre eigenen Weine nicht tranken, ist zu bezweifeln!

 

1751 beschreibt Beckmann in seinem Buch „ Kurtze Beschreibung der alten und löblichen Stadt Frankfurt an der Oder“ folgendes über den Weinbau:

 

"…der Wein, so hier fällt, ist nach Gelegenheit des hiesigen Clematis, bei warmen Jahren von gutem Geschmack, und wird insonderheit der Blanke, je länger er liegt, je besser und stärker, auch oftmals dem ausländischen Francken und anderen Wein gleichgehalten."

 

und

 

„… man machet auch zu Frankfurt aus dem neu gepressten Most mit hinzuthuung des weißen Senfs einen angenehmen Mostrich, welcher weit und breit berühmt, und auf vielen Meilen nach Leipzig, Breslau und andere entlegene Örter verführet wird. Jedoch ist nicht zu leugnen, soviel ich bei dem Frankfurtischen Wein anmerken können, das er viel Tartarus (Weinstein) und Kalk bei sich führe, und solchen nicht leichtlich, wann er schon lange lieget, fahren lasse; wie man dann auch bei der Zubereitung des Alandweins wahrnimmt, dass ob der Most schon noch sowohl in acht genommen, und abgeschäumet wird, und man glauben sollte, es würde dadurch alle die alle irdischen Materie davon abgesondert worden sein, dennoch bald hernach sich an den Gefäßen und Hölzern, so man dazu gebrauchet ein subtiler Kristall häufig ansetzet. Das Jahr 1748 ist wegen des heißen Sommers mehrentheils ein schönes Weinjahr gewesen, und hat solches gezeigt, dass die Mark seit dem großen Winter sich ziemlich in Ansehung des Weins erholt hat. Besonders gute Weinjahre waren aber 1540 und 1553. Im letzteren Jahr habe man um Trinitatis Bier und Wein „in einem Kauf“ bekommen können, nämlich für 3 Pfennige, und ein Viertel Fuder habe 2 Märkische Gulden gekostet. Auch die Jahre 1666, 1678 und wie erwähnt 1748 waren nach Jobst (Wolfgang Jobst, Frankfurter Arzt im 16. Jahrhundert - Anm. d. Autors) gute Weinjahre…“.

 

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7.4. nachgewiesene Besitzer des Weinbergs in Kliestow

  • 1544 -1647 Familie Knobloch hat 2 Weinberge. Weinberge waren ein wertvoller Besitz, der hoch verpfändet wurde.
  • 1562 - 1571 war Kliestows Weinberg in Besitz der Familie Meinau.
  • 1571 – 92 ist Clemen Ludwig Besitzer, ab 1592 erhält Liborius von Schlieben durch Kauf den Weinberg und besitzt diesen bis 1705.
  • Am 29.05.1590 zieht ein Weinmeister, mit dem Namen Hans Domin von Kliestow nach Frankfurt und erhält das Bürgerrecht der Stadt (Vermerkt im ältesten Bürgerbuch von Frankfurt 1580 bis 1699).
  • Im 30jährigen Krieg wurden dann viele Äcker und Weinberge zerstört, verwilderten schnell und wurden in Ackerland umgewandelt. Als Kliestow 1633 durch die kaiserlichen Truppen fast völlig dem Erdboden gleichgemacht worden war, hielten sich nur noch zwei Bauern in des "Herrn Komturs Weinpresse" auf.
  • Und 1654 haben zwei Kliestower Kossäten keine Häuser im Ort, sondern sind nur „Weinmeister“. Sie werden im Kirchenbuch erwähnt. Am 17.03.1690 wird wieder ein Weinmeister aus Kliestow genannt, Gottfried Guhlisch (Giehlisch), der nach Frankfurt umzog. 
  • 1729 wird ein Weinberg mit einer Größe von 25 kleine Morgen und 136 Quadratruten genannt. Während wir um 1745 bereits von zwei Weinmeisterhäusern in Kliestow wissen. Um diese Zeit werden in unserer Gegend (Weinmeisterzunft) etwa 80 Weinmeister genannt. 1801 hat der Weinberg Kliestow 1 Feuerstelle mit 3 Bewohnern. Es ist ein einzelnes Haus und wird von einem Büdner bewohnt. Besitzer ist die Kämmerei Frankfurt. Diesen Zustand gibt es auch 1805.

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7.5. Die Ratsaufsicht über den Weinanbau

Über den Tagelohn von Weinmeistern/Weinlesern etc. in dieser Zeit erfahren wir aus einer Veröffentlichung des "Patriotischen Wochenblattes" von 1812, die sehr aufschlussreich ist: "…ein jeder auch, der vor einen Weinmeister von der Zunfft vor tüchtig erkand worden, sol schuldig seyn, einen ziemlichen Weinbergk, als er bestellen kann oder zwey kleine auffs Lohn anzunehmen…“.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 

 Entlohnung der Weinmeister, -leser und -presser sowie anderer Helfer (Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv)   

 

 

Die Weinberge selbst standen ferner unter scharfer Aufsicht des Rahts. Nach den Vorschriften des alten Stadtbuches (Riedel S.176, wie schon erwähnt von Staius geschrieben) besichtigte eine Deputation, bestehend aus den Bürgermeistern, einem Mitglied des Rahtes und einem Deputierten der Bürgerschaft, alljährlich alle Weinberge und wenn sie fand, dass der eine oder der andere Winzer nicht ordentlich den Wein bearbeitet hatte, so machte sie Anzeige an den Rath, der den Schuldigen den Umständen gemäß bestrafte. Auch wenn die Weinlese begonnen werden durfte setzte der Rath fest. Beginnen durfte aber niemand der nicht den „burmeistern gegeben von der gemeynen wyngertener wegen yren kore, das synt dry schillinge phennige“, also, der nicht, die von den Winzern festgesetzte Summe von 36 Pfennigen an den Bürgermeister gezahlt hat. Wer nicht zahlte, dem wurde mit Strafe gedroht.  

 

Im Jahre 1833 wurde von dem Besitzer des Weinberges in Cliestow von der Stadt Frankfurt 30 Reichstaler Erbpacht erhoben.

 

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 

Beschreibung „Wie man solle besehen der Weingärtner Arbeit"

(Besichtigung der Weingärten bzw. Kontrolle der Weingärtner)

 

 

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7.6. Abwehr der geplanten Anordnung zur Beendigung des Weinbaus 1740

Als 1736 die Weinakzise erhöht wurde, gab es erneut Streitigkeiten. Diese wurden durch den eisigen Winter 1739/40 noch verstärkt, denn viele Weinstöcke waren eingegangen. Nun will die Behörde den Weinbau endgültig beenden. Eine an den Kriegsrat Gemmin gerichtete Verfügung der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer vom 1. 7.1740 erinnert nicht nur an den vergangenen harten Winter, der viele Weinpflanzungen völlig vernichtet hatte, auch sei der Wein an sich schlecht, hieß es weiter in dem Schreiben und gelinge selten. Der Preis sei gering, während die Arbeit am Weinberge jedoch hohe Kosten verursache. Die Weinberge gäben ein besseres Gersten- und Roggenland ab und dienten so sicher dem Besitzer mehr.

 

Jedoch der Frankfurter Rat verteidigte den bedrohten Weinanbau. Im Oktober 1740 wurde ein Gutachten erarbeitet. Nach Ansicht zweier Weinbergbesitzer dieser Gegend, Daniel Raue und Benjamin Pfeiffer und des Weinmeisters Martin Feldner sei die Bestellung der steilen Weinberge mit Korn nicht vorteilhaft, da auch unter den Bäumen das Korn nicht gedeihe. Auch habe der Weinbau stets Gewinn bringen können. Der hiesige Landwein käme zwar dem Rheinwein an der Güte nicht gleich, sei jedoch 12 bis 16 Mal wohlfeiler. Im preußischen Land aber seien viele arme Kirchengemeinden, denen es nicht möglich sei, kostbaren Wein zur Abendmahlsfeier zu bezahlen. Auch viele andere Leute könnten auf Landwein nicht verzichten, brauchten ihn in der Küche, in der Heilkunde oder zur Bereitung von Essig. Die Einstellung des Weinbaus gefährde auch den Obstbau, dessen Ertrag in schlechten Weinjahren ausgezeichnet gewirkt hat. Scheinbar hatten die Bemühungen des Frankfurter Rates Erfolg, denn 1742 wurde die Weinakzise wieder gesenkt, ein Anbau von Korn auf den Weinbergen nicht mehr gefordert.

 

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Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

 

 

7.7. Ende des Weinanbaus im 19. Jahrhundert

 

Dennoch war der Rückgang des hiesigen Weinanbaus nicht mehr zu verhindern. Die Konkurrenz anderer Weine war zu groß, ebenso der alternative Biergenuß. Im Patriotischen Wochenblatt ist im April 1839 folgende Anzeige, wonach es schon schwierig war, einen Weinberg zu versteigern (Bild links).

 

Subhastation bedeutet Zwangsversteigerung. Im April hat sich kein Käufer für den Weinberg gefunden, denn am 06. Juli wird nochmals auf diese Versteigerung hingewiesen.

 

Das Vorwerk hatte einen Weinberg mit 25 kleinen Morgen. Als Rudolf Scherz in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Kliestower Gut von der Stadt erwarb, gehörte u. a. ein Weinberg dazu. Später, etwa 1855, wurde von der Familie Scherz die gesamte Feldsteinmauer entlang der Sandfurt mit Wein bepflanzt. Der daraus gewonnene Wein soll nach Aussage köstlich gewesen sein.

 

Ein Bild von 1900 zeigt diese Weinmauer. Davor befand sich der Gemüsegarten mit Treibhäusern und Bienenzucht. Heute ist diese Feldsteinmauer nur noch in Bruchstücken teilweise vorhanden. Der Gemüsegarten ist total verwildert und versumpft (Bilder siehe unten).

 

 

 

 

 

 

Foto vom Treibhaus 1900

 

 Foto: Weinmauer 1900

 

 Treibhaus (links) und Weinmauer (rechts) um 1900 (Fotos: Fam. Scherz)

 

Foto: Reste der Weinmauer 2008

 

 Foto 2: Reste der Weinmauer

 

 

 Reste der Weinmauer 2008 (Fotos: Klaus Fechner) 

 

 

 

Die letzten Weinernten in unserer Gegend gab es um 1880 in den Tzetzschnower Weinbergen. Es hatte überall die Umwandlung der Weinberge in Obst- und Ackerberge begonnen. Der Wein von hier war nicht mehr recht gefragt, teils weil die Ansprüche gewachsen waren, vor allem aber, weil das Bier mehr und mehr Freunde gewann. So wurde später vielerorts auch lieber die Kartoffel angebaut, die regelmäßig eine gute Ernte versprach. 

 

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Thema 6: Entwicklung der Güter 

6.1. Vorgeschichte6.2. Das Rittergut6.3. Das Magistratsvorwerk6.4. Das Freigut

 

6.1. Vorgeschichte

Von 1320 stammt die erste schriftliche (urkundliche) Erwähnung als ,, ville Clistow“. Herzog Rudolf von Sachsen schenkte das Eigentum des ganzen Dorfes Clistow der Bürgerschaft zu Frankfurt durch eine am 15. Oktober in dieser Stadt ausgefertigte Urkunde. Die folgenden Urkunden sind hinterlegt bei „Riedel“ Stadtarchiv Frankfurt (Oder).

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Abschrift des Urkundentextes von 1320

 

 

 

 

 Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Riedel´s Geschichte der Mark Brandenburg

und ihrer Regenten von 1861

 

Kliestow blieb von nun ein Kämmereidorf der Stadt Frankfurt. Der Herzog Rudolf von Sachsen führte seit dem Tode Waldemars die Regierung zunächst für die Witwe, später aber als anmaßlicher Erbe. Mit seinem Geschenk wollte er sich offenbar die Freundschaft und Unterstützung der Frankfurter sichern. Bis 1320 war der Lehnsherr über Kliestow der Markgraf. Seit dieser Zeit bis 1338 der Markgraf und die Stadt Frankfurt anteilig, danach bis 1598 der Lebuser Bischof und ab dieser Zeit dann der Kurfürst bzw. König.

 

1338 der Magistrat zu Frankfurt (Oder) tritt sein Eigentum an Kliestow an den Bischof Stephan II. von Lebus in einem Vergleiche ab. Er wird somit neuer Eigentümer und Lehnsherr. Die Burganlage auf dem Teil der Burghügel zu Lebus, der neben der Bischofsburg auch die Kathedrale und ein Schloss aufwies, wurde Ende des 13. oder Anfang des 14. Jahrhunderts von einer Naturkatastrophe betroffen, die zum Absturz des gesamten Ostbereichs zur Oder hin führte und wohl auch die Befestigung mit betraf. Wegen dieser Zerstörung verlegte das Domkapitel (nach 1276) seinen Sitz nach Göritz (heute Górzyca auf der Ostseite der Oder, doch auch diese Kirche wird zerstört. Hintergrund ist der Eroberungsfeldzug des polnischen Königs Wladyslaw Lokietek 1325 in die Mark, um das Land Lebus zurückzuerobern. Bischof Stephan II. von Lebus geriet in Verdacht, an diesem Unternehmen beteiligt gewesen zu sein, weshalb in einer Strafexpedition die brandenburgische Stadt Göritz gebrandschatzt und daraufhin Frankfurt, Müncheberg und Brandenburg mit dem Interdikt ( Bann ) belegt wurden; der Markgraf beschlagnahmte alle bischöflichen Güter, etc. Frankfurt hatte nun wegen dieser Zerstörung der bischöflichen Stadt Göritz ( heute Gorzyca ) mehrere Jahre unter dem Bann des Bischofs gestanden.

 

Als die Stadt sich mit dem Bischof aussöhnte, wollte sie ihm als Sühne die Marienkirche als bischöfliche Kathedrale einräumen. Die Bürgerschaft von Frankfurt war damit einverstanden. Doch fürchtete der Kaiser, Ludwig der Beyer (1314-47), und sein Sohn, Ludwig der Römer (1324-51), der der brandenburgische Landesherr und damit Patron der Frankfurter Marienkirche war, um ihren Einfluss auf diese gewinnbringende Stadt mit seinen Messen und Zöllen und untersagten das Vorhaben am 10.5.1330 und erneut 1351. Stattdessen trat nun die Stadt den größeren Teil ihres Eigentums am Dorfe Cliestow an den Bischof ab.

 

1830 beschreibt auch schon F.W.G. Sachse, Preußischer Regierungssekretär, dass der Bischof von Lebus durch einem Vergleiche mit dem Rate zu Frankfurt in den Besitz von Kliestow kam. Die Stadt Frankfurt behält aber 3 Bauern und 2 Kossäten mit 12 besetzten Hufen und einer Einnahme von 5 Schock Groschen und 30 Scheffel Roggen von einem Acker im Kliestower Felde. Außerdem behielt sie das Recht, den Schulzen mit dem Gericht zu belehnen, der aber seinen Acker und seine sonstigen Einnahmen vom Bischof zu Lehen erhielt. Das war eine sonst nicht übliche Teilung der Gerechtigkeiten, da für gewöhnlich der Inhaber des höchsten Gerichts auch den Schulzen belehnte. Das hohe Gericht war aber bei den Stiftsvikarien von Lebus.

 

 

Kliestow entwickelte sich nun in 3 drei verschiedenen Teilen fort, und zwar:

 

1. dem Rittergut; ► siehe Absatz 6.2
2. dem Guts- und Magistratsvorwerk und ► siehe Absatz 6.3
3. dem Freigut ► siehe Absatz 6.4.

 

 

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6.2. Das Rittergut

 

 

    Foto: Klaus Fechner, 1992    

 

 

 

     Foto: Ulrich Schultheiß, 2012     

 

 Das Schloß Kliestow (Rittergut) 1992

 

Die Schloßruine Kliestow

nach dem Brand 2005 

 

 

 

 1362 Der Bischof zu Lebus Heinrich II. überließ (schenkte) sein Eigentum am Dorfe Clistow, nämlich die hohen Gerichte, die Zehent, das Kirchenlehen, 4 ½ Schock Erbzinsen der zinspflichtigen Bauern und eine freie Schäferei mit soviel Schafen, die auf 9 Hufen geweidet werden konnten, die von den 2 Bauernhöfen mit 4 und 5 Hufen herrührten, denn diese Höfe waren ausgestorben, dem Vicarien- Collegio der Lebuser Stiftskirche (Stiftsvikarien) zu vollem Eigentume, ohne irgend eine Belästigung. Die nächsten 200 Jahre blieb das Collogium in diesen Besitz.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt(Oder)

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt(Oder)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schenkung zweier Kliestower Höfe durch den Lebuser Bischof von 1362 

 

1562 Nach Aufhebung des Bistums kaufte der kurfürstliche Kommissar (auch Sekretär des Administrators des Hochstifts Lebus, Markgrafen Johann Georg) Kaspar Mainau die Besitzungen und Rechte, den Zehnten, das Kirchenlehen zu Clistow nebst vier und einen halben Schock Erbzinsen und eine Schäferei von 200 Schafen von den Stiftsvikarien, die diese 1362 vom Bischof zu Lebus geschenkt bekamen.

 

1571 Nach dem Tode des Kaspar Meinau wurden alle Gerechtigkeiten über Kliestow von seiner Witwe und den Vormündern seiner Kinder an den Hauptmann der Ämter Beeskow und Storkow, Clemen Ludwig wieder verkauft. 1586 Clemen Ludwig kurfürstlicher Hauptmann überlässt dem Kurfürsten sein Vorwerk vor Beeskow und erhält dagegen Tauschweise die kurfürstlichen Untertanen zu Kliestow mit Diensten und anderen Gerechtigkeiten, wie solche die bis dahin zum Amte Lebus gebraucht worden waren. Er wurde hierauf damit, so wie auch mit der auf dem Kliestower Grunde gelegenen Mühle und einem Weinberge, welches alles damals zu Lehen gemacht wurde, desgleichen mit denjenigen Geldzinsen aus Kliestow, welche Ludwig von Kaspar Meinaus Witwe erkauft hatte, wie auch mit den Gerichten, den Zehenten, dem Kirchlehn, und eine Schäferei mit 200 Schafen, noch in dem selben Jahr belehnt. Ludwig kaufte noch im selben Jahr einen Hof mit 5 Hufen auf, baute ihm zum Rittersitze aus, denn er besaß nun mit diesen 5 Hufen freie Ritterhufen . Von der Witwe Meinau hatte Ludwig auch die Prästationen von dem Lehngute zu Kliestow, welche anstatt des früher zu halten gewesenen Lehnpferdes zu entrichten waren, erkauft, mit denen daher 1587 der Dr. Knobloch als Besitzer besonders an ihn gewiesen wurde.

Der Weinberg wurde Anfang des 19. Jahrhunderts kultiviert. (Weinberg und Mühle im Kliestower Grunde, heute Ragoser Talweg)

 

1589 Am 26. Januar stirbt Clemen Ludwig. Seine Lehnserben sind die Söhne. 1592 verkaufen die Söhne von Ludwig den gesamten Besitz mit allen Rechten für 4380 Taler dem kurfürstlichen Rate zu Küstrin Liborius von Schlieben, der nun mit diesem Besitz belehnt wurde. Zu dem Gute gehörte also damals: Die Mühle, ein Weinberg auf dem Kliestower Grunde, 1 Sechshufner Bauer, 3 Fünfhufner Bauer(Krüger ), 2 Vierhufner Bauer, 1 Kossäte, die Geldzinsen welche Clemen Ludwig von Kaspar Meinaus Witwe gekauft hatte, die Gerichte und das Patronat über das Dorf Kliesto, die Zehenten, das Kirchlehn und eine Schäferei von 200 Schafen.

 

Als er 1593 belehnt wurde, erhielten seine Brüder (des Comthurs Andreas Söhne) Eustach der kurfürstliche Hofmeister und Adam, die gesamte Hand daran. Liborius besaß diese Güter noch 1598.

 

 

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt(Oder)

 

Wappen derer von Schlieben

 

 

 

1608 Von Schlieben ist auch für das Vorwerk zuständig.

 

1629 20. August: Kurfürst George Wilhelm belehnt Maximilian von Schlieben, Adam`s Sohn und Max`s unmündigen Neffen Adam von Schlieben, Johann Ernst`s Sohn mit dem Gute zu Kliestow.

 

1680 Der Kurfürst Friedrich Wilhelm belehnt jetzt Adam George von Schlieben mit dem Gut Kliestow.

 

1840 schreibt auch C. v. Eichstedt für ein neues Landbuch der Mark Brandenburg darüber ---- Den anderen Theil hat der Rath zu Frankfurth, so es von des unmündigen Gottfried Knoblochs Vormunde und Verwandten erkaufet, und ist er Rath zu Frankfurth anno 1684 durch den ältesten Bürgermeister Janathas le Clerc solchergestalt beliehe, dass wenn der älteste Bürgermeister mit Tode abgehet, als dann der nächstfolgende Bürgermeister die Lehne renovieren und praestanda praestiren sollte.---- Es handelt sich hierbei um das Freigut, welches 1650 die Stadt Frankfurt für 2905 Reichstaler kaufte. (siehe Freigut) 1702 23. November: König Friedrich Wilhelm verleiht den Geheimen Etatsrat Johann Friedrich von Rhetz die gesamte Hand an des Geheimrats von Schlieben Anteil an Kliestow.

 

1705 Lehnsherr für ein Jahr, bis 1706 ist Paul Anton von Kameke.

 

1706 6. Juli: Kauf des Rittergutes mit Vorwerk durch den Magistrat der Stadt Frankfurt (Oder ) für 24.000 Taler . König Friedrich I Confirmatio (Bestätigung), dass Paul Anton von Kameke das Lehngut Kliestow , dessen einer Teil, bisher dem Grafen von Schlieben gehörig – ihm nach seinen Ehepakten – der andere aber, früher dem Frankfurter Magistrat gehörig, nach erkannter Caducität zugefallen war, an die Stadt für 24000 Taler verkauft. Damit sind die sämtlichen Hufen Cliestows, die nicht im Besitze von Bauern und Kossäten waren, in das Eigentum Frankfurts übergegangen.

 

1706 3. November: König Friedrich I. belehnt nun den Magistrat zu Frankfurt, alleiniger Besitzer des Rittergutes, Gut oder Vorwerk und Freugut, da alles jetzt vereinigt, vertreten durch den ältesten Bürgermeister David Würker mit dem Gute Kliestow. Die Stadt Frankfurt übernimmt damit auch das Kliestower Kirchenpatronat. 1708 6. September: König Friedrich belehnt nach dem Tod des David Würker die Stadt Frankfurt, vertreten durch den ältesten Bürgermeister Arnold Wesenfeld mit dem Gut Kliestow

 

 

 

 

1713 10.Juni: Nach dem Tod König Friedrich belehnt Friedrich Wilhelm die Stadt Frankfurt, vertreten durch den ältesten Bürgermeister Arnold Wesenfeld mit dem Gut zu Kliestow

 

1725-1731 Verpachtung des Vorwerks an Gotthilff Friedrich Müller

 

1731 bis 1737 wird von der Stadt Frankfurt das Gut an Gottlieb Lange verpachtet. .

Von 1736 bis 1738 wird ein neuer Pächter mit dem Namen Daniel Dräger genannt.

 

1759 Übernahme des Gutes in Erbpacht durch den Pächter Amtmann Johann Christian Ferdinand Hückel von Frankfurt. Die Herrlichkeiten blieben aber im Besitz der Stadt wie z. B. die Gerichtsbarkeit und die Steuern.

 

1767 14.August: Es wird ein Erbschafts – Contrakt über das Vorwerk abgeschlossen. Pächter ist Christian Friedrich Hückel.

 

1820 Ab den 27.Mai wird in einem Ablösevertrag Johann Christian Ferdinand Hückel als neuer Pächter genannt. Der Vertrag geht bis zum 24.09.1846. 1832 Das Gut oder Magistratsvorwerk hat 14 Hufe. Der Magistrat von Frankfurt (Oder) ist Besitzer. Es ist frei von Lehnsdienste und Lehnware. (Pächter Familie Hückel) Die bäuerliche Feldmark von Kliestow enthält 1941 Morgen 127 Quadratruthen.

 

1843 Für kurze Zeit gibt es noch einen Pächter mit dem Namen „Schütz“, Zu Kliestow gehören noch eine Wassermühle im Grunde (Ragoser Mühle), drei Windmühlen, 1843 Johannes Ernst Scherz, Vater von Ernst Wilhelm übernimmt das Stadtgut in Pacht.

 

1854 23. Dezember: Erwerb des Gutes mit ca. 500 Hektar Land durch Johann Ernst Scherz für seinen Sohn Ernst Wilhelm Rudolf Eduard Scherz (03.10.1820 – 12.04.1898 ), Kgl. Preußischer Ökonomierat, nunmehr auch Rittergutsbesitzer zu Kliestow, Kummerow und Plau.

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv Frankfurt(Oder)

 

Foto: Ulrich Schultheiß, 2012

 historischer Plan des Gutes Die Brennerei heute als Wohnhaus

 

 

 

Das Gut blieb bis 1945 im Besitz der Familie Scherz. Es erfolgte die Enteignung, Grund und Boden wurden im Rahmen der Bodenreform an landarme Bauern und Umsiedler (Vertriebene aus dem Osten) aufgeteilt. Das Gutshaus (Schloss) wurde anfangs als Wohnhaus für die Vertriebenen genutzt, vom Keller bis zum Boden. Später, nur noch die obere Etage für ständiges Wohnen. Im Erdgeschoss waren zeitweise untergebracht auch Kindergarten, Kinderkrippe, Schulhort, Ärztestation, Dienstleistungsannahme, Bauernstube mit Gemeinschaftsfernsehapparat und sogar im Keller eine Brutstation. Die Bauernstube diente über mehrere Jahre auch als Kinosaal.

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6.3. Das Guts- oder Magistratsvorwerk

 

 Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 Lehnsurkunde von 1338

 

 Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Zollauseinandersetzung von 1406

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 Vertragsvermittlung des Kurfürsten zwischen Bistum und Magistrat von 1528 (übereinander Teile 1 und 2)

 

 

Das Guts- oder Magistratsvorwerk ist heute örtlich nicht mehr so eindeutig lokalisierbar, wie etwa das Rittergut. Vor den Toren Frankfurts und vor dem Rittergut befanden sich Höfe und Besitzungen, die als Vorwerk bezeichnet wurden. Im Folgenden ist deren Entwicklung nachgezeichnet, soweit es aus den Chroniken der Stadt oder der Kirche rekapitulierbar ist. Hier in Jahresereignissen:

 

1328                          

Die Brüder Janeke und Ulmann dicti Baldack überlassen12 Hufen im Dorfe Clestowe mit aller Gerechtigkeit frei von Bede (Lehnsdienst) und jeder Art Diensten, indem sie den Lehnsdienst auf ihr Gut in Lossow übernahmen, nebst 8 Schock jährlicher Hebung im Zoll zu Frankfurt an den Frankfurter Bürger Johannes dictus de Lichtenberg, der mit diesen Hufen von Markgraf Ludwig belehnt wird.

                       

Eigentlich hätte diese Belehnung von dem Magistrate zu Frankfurt erfolgen sollen, da dieser Stadt das Eigentum des ganzen Dorfes Kliestow seit 1320 durch die erwähnte Schenkung des Herzogs Rudolf von Sachsen zustand. Dieses Verhältnis muss auch von dem Markgrafen bald nachher anerkannt worden sein.

 

1338                          

Johann von Lichtenberg wird  ab nun von dem Bischof Stephan der II. zu Lebus durch einen am 6. Dezember mit dem Rate zu Frankfurt geschlossenen Vertrages mit 12 Hufen in dem bischöflichen Dorfe Clistow mit aller Gerechtigkeit und einem halben Wistel Roggen aus der Kliestower Mühle belehnt.

                        

1354               

Die Söhne und Enkel des Johanns von Lichtenberg werden mit 12 Hufen und der Mühlenpacht vom Bischof Heinrich II. belehnt.

 

1406               

29. September: Die Brüder Johannes der Jüngere und Jakobus Lichtenberg bekennen, das sie Rechte redlich von ihrem Vetter Hans Lichtenberg und von seinen Erben gekauft haben, und verstatten ihm das eventuelle Vorkaufsrecht daran. Das sind 6 Hufe im Dorfe Clystaw mit dem Zolle zu Frankfurt sechs Schock 14 Groschen, 1/2 Wistel Lein (Mühlenpacht) in der Mühle zu Clisto.

                       

Im folgenden Jahr 1407 werden Johann und Jacob Lichtenberg nun von dem Bischof Johann IV. von Borschnitz belehnt.

                       

Tage später werden dann auch noch Hans Lichtenberg, Jacob und dessen Bruder Johann vom Bischof gemeinschaftlich mit 23 Stücken aus dem Zolle, 12 Hufen zu Kliestow und der Mühlenpacht belehnt.

 

 

1436

Martin Wins (manchmal auch Winse) wird als neuer Lehnsnehmer des Gutes genannt, der an die Stiftsvikarien zu Lebus sein Lehen zu entrichten hat.

 

1437

Am 18. März: ging das Gut von Martin Wins wieder in den Besitz der Stadt Frankfurt, in deren Namen die beiden ältesten Bürgermeister mit 13 Schock Geldes, 8 Groschen Rente im Zolle zu Frankfurt, mit 12 Hufen und mit der Mühlenpacht, die aber damals einen ganzen Wistel betrug, von dem Bischof Peter von Burgsdorff belehnt wurden, weil der Besitz des Dorfes noch beim Bischof bzw. den Stiftvikarien lag.

 

1460

In dem Schoßregister heißt es: Der Hof zu Clisto geht zu dem Bischofe Friedrich II. Sesselmann zu Lehn, und zinset nicht. Das Dorf ist der Stadt Frankfurt Eigentum.

                       

1527

Der Kurfürst Joachim der Erste ,welcher vernommen hatte, das der Rat zu Frankfurt, wegen 14 Hufe im Dorfe Klysto, 12 Schock in dem Zolle zu Frankfurt, (Mit 33 Stücken jährlicher Hebung im Zolle zu Frankfurt war schon 1338 zugleich mit den 12 Hufen in Kliestow Johann von Lichtenberg von dem Bischof Stephan II. belehnt worden), und eines Wistels Mehl aus der Kliestower Mühle, welche Hebungen er von dem Stifte Lebus, jedoch ohne Lehnware, zu Lehn trüge, den Bischöfen den Lehnseid schwören müsse, fand dieses so unschicklich und schlug dem Bischof Georg von Blumenthal vor, der Stadt Frankfurt jene Hebungen gegen Zahlung von 300 Rheinische Gulden zu vereignen, und dem zufolge die Ratsleute zu Frankfurt nicht mehr seine lieben Getreuen zu nennen. An der Schwelle der neuen Zeit ,die Autorität des Bischofs geriet gewaltig ins wanken weigerte sich auch der Rat von Frankfurt, dem Bischof zu Lebus wie Untertanen den Lehnseid über das Gut weiterhin zu schwören.

 

Der Kurfürst versuchte zu vermitteln und am 8. Juli einen Vertrag in Kölln an der Spree zwischen dem Bischof und Frankfurt zu schließen. Das Domkapital weigerte sich aber beharrlich dies zu genehmigen, obgleich die in Rede stehenden Güter, wenn sie auch Lehen waren doch niemals zu dem Stifte gehören könnten. Es blieb somit bei dem Lehnsverbande.

 

1528               

In einem Vertrag vom 23. April wurde festgesetzt, dass von jetzt an 2 Ratsmitglieder auf ihre dem Landesherrn und der Stadt geschworenen Eide mit Handschlag das Lehen (Gut) übernehmen. Der Bischof aber verzichtete auf die Anrede an die Frankfurter als „ liebe Getreuen! “.

 

1608               

Das Vorwerk geht in den Besitz des Herren von Schlieben (s. a. nächstes Kapitel 6.4. Das Freigut).

 

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6.4. Das Freigut

 

Neben dem Rittergut (Absatz 6.2.) und dem Vorwerk (Absatz 6.3.) wird in den historischen Quellen ein drittes, freies Gut erwähnt. Auch dessen Lokalisierung ist heute nicht mehr möglich, da es sich vermutlich zwischen Besitzungen des Rittergutes und der Vorwerke befand. Letztendlich wird es im 18. Jahrhundert mit dem Vorwerk vereinigt. Hier die chronologische Abfolge der belegten Entwicklung.

 

Um 1400         Das Verzeichnis der Lebuser Lehnleute in diesem Jahre rechnet zu denselben auch den Leman (Lehnsmann) Brüder Lehmann von Clistow mit 7 bzw. 3 Hufen zu Kliestow.

Einen Hof mit 8 freien Hufen und einer Schäferei zu Clistow besaß später Klaus Lusche, sehr wahrscheinlich ein Frankfurter Bürger von dessen anderweitigen Verhältnissen nichts bekannt ist, von dem Bistume Lebus zu Lehn. Als derselbe durch seinen Tod erledigt wurde, wandte ihn der Bischof seinem Hauptmanne zu Lebus, Bussen von Milow, zu.

 

1531                6 Mai: Bussen von Milow verkaufte aber den Hof an Chuntz Rephuen, einem Bürger in Frankfurt, der damit von dem Bischof zu Lebus, Georg von Blumenthal (Abbildung s. unten), mit dem Hof mit samt 8 freien Hufen und einer freien Schäferei und anderes in Kliestow belehnt wurde.

                        Bis dahin waren die Besitzer dieses Hofes verpflichtet gewesen, ein Lehnpferd darauf zu halten, welches die Bischöfe nach Belieben von ihnen abfordern, und nach ihren Gefallen gebrauchen konnten.

Kunz Rephun wurde dies jetzt nachgelassen. Er musste  anstatt dessen jährlich ein Schock Groschen Märkischer Münze, und zwei Pfund Pfeffer zu entrichten.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Aus der Bischöflichen Lehnsurkunde an Kunz Rephun

vom 06. Mai 1531 (Teil 1)

 (Teil 2)

 

 

 

1529                           Chuntz Rephuen verkaufte den Hof seinem Mitbürger, dem Kaufmann Hieronymus Jobst und Söhne.

                        1535 wird Hieronymus Bürgermeister von Frankfurt

 

1533                23.Januar: Bescheinigung des Bischofs zu Lebus über die Rückzahlung einer Schuld.

 Hieronymus begleicht noch in diesem Jahre 20 Schock Groschen Schuld, die auf den Hof verschrieben waren zur Hälfte einem Altar in der Kapelle auf dem Schloss zu Lebus, und zur anderen Hälfte den Mansionarien zu Lebus .

 

 

Quelle: Wikipedia

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 

 

Bischof Georg von Blumenthal (zeitgenössische Darstellung)

 

Aus der Bischöflichen Schuldquittung für Hieronymus Jobst vom 23. Januar 1533

 

 

 

 

1540                           Hieronimus Jobst stirbt und seine Söhne Gregorius, Wolfgang, Hieronymus und Elias erben den Hof.

 

1544                Jobsts Söhne verkauften dieses Freigut dem Stadtkämmerer Martin Knobloch in Frankfurt, der im folgenden Jahre 1545 damit von dem Bischof Georg von Lebus belehnt wurde, also mit 8 freien Hufen, einer freien Schäferei, 10 Morgen Wiesenpacht, 2 Weinbergen, Gericht und Patronat.

                        Gregor Jobst starb noch in diesem Jahr.

 

1553                14 Juli: Bischof Johann Georg zu Lebus belehnt Martin Knobloch Bürger zu Frankfurt

                        mit dem Hof zu Kliestow samt 8 freien Hufen, einer freien Schäferei usw.

 

1556                1 April: Johann Georg, im Namen seines Sohnes Markgraf von Brandenburg Joachim Friedrich, postuliertem Bischof zu Lebus belehnt Martin Knobloch, Frankfurter Bürger, mit dem Hofe zu Kliestow samt 8 Hufen, einer freien Schäferei usw.  

 

1561                Martin Knobloch stirbt und somit erhielten seine Erben, die Söhne, von dem Administrator des Bistums die Belehnung mit dem Hofe zu Kliestow.

 

1572                           27. Juni: Kurfürst Johann Georg belehnt die Söhne des Martin Knobloch, die Brüder Johann Dr. med., Georg, Martin und Friedrich Knobloch mit dem Hofe zu Kliestow samt 8 freien Hufen, einer freien Schäferei usw.

 

1573                2. November: Kurfürst Johann Georg erteilt Martin Knobloch die Erlaubnis, wiederkäuflich jährlich 1 ½ Wistel Roggen und 1 ½ Wistel Gerste an Michel Jordan,

                        Bürger zu Frankfurt, von seinem Einkommen in Kliestow zu verkaufen.

 

1574                19. Dezember: Johann Knobloch, Professor der Medizin und Stadtphysikus von Frankfurt, Bruder von Martin, Georg und Friedrich übernimmt das Freigut für sich alleine, nach dem er die Anteile der Brüder am Hof von ihnen gekauft hat. Er wird vom Kurfürst Johann Georg belehnt.

                        Johann Knobloch war am 23.Juni 1529 in Frankfurt geboren. 1548 wurde er Baccalaureus und 1549 Magister. Hiernach studierte er 2 Jahre in Wittenberg und besuchte darauf mehrere Universitäten in Italien. In Padua erhielt er 1556 die Doktortwürde der Arznei.

                        Daraufhin wurde er 1562 Doktor der Medizin in Frankfurt, sowie auch Leibarzt des Markgrafen Johann zu Küstrin und Stadt- Physikus in Frankfurt. Schließlich wurde er von Kaiser Rudolf II in den Adelsstand erhoben. 

 

1585                Der neue Pfarrer Teckler von St. Georgen und Kliestow heiratete bei seinem Amtsantritt

in diesem Jahr die Witwe seines Vorgängers und somit zugleich in die Familie des Gutes ein. Diese Witwe, eine schon ältere Dame war die die Tochter vom Medizinalrat Dr. Johann Knobloch. Pfarrer Teckler war der erste Pfarrer, der einen „Berufungsbrief“

(heute Berufungsurkunde genannt) erhielt. Sie wird bei der Berufung der ersten Pfarrstelle auf Lebenszeit erteilt und gilt als eine Art Arbeitsvertrag.           

 

1587                20. Mai: Kurfürst Johann Georg weist Dr. med. und Professor Johann Knobloch zu Frankfurt an das Schock Zins und 2 Pfund Pfeffer, welches er jährlich wegen des Lehnpferdes vom Hofe von Klystow geben musste, fortan an Clemen Ludewig Hauptmann zu Besikow zu zahlen. Also mit den Abgaben wegen des Lehnpferdes, welche Anfangs nach Lebus zu entrichten gewesen waren, wurde er nochmals an Kaspar Meinaus Witwe, die Besitzerin des einen Rittergutes in Kliestow war und dann eben an deren Nachfolger, den Clemen Ludwig gewiesen. 

 

1599                Am 26. Januar stirbt Dr. Johann Knobloch in Kliestow an der Pest.

 

1599                4. Dezember: Kurfürst Joachim Friedrich belehnt die Söhne des Prof. Dr. med. Johann Knobloch mit dem Hof samt 8 freien Hufen usw. zu Kliestow.

                        6. Dezember: Kurfürst Joachim Friedrich belehnt Johann Knobloch mit dem Hofe samt 8 freien Hufen usw. zu Kliestow.

 

1601                7. Juli: Kurfürst Joachim Friedrich erklärt sich damit einverstanden, dass M. Johann Knobloch seinen Bruder Adrian für 450 Taler den Hof zu Kliestow verpfändet.

 

1609                20. Oktober: Kurfürst Johann Sigismund belehnt M. Johann Knobloch mit dem Hofe zu Kliestow und verleiht dessen Bruder David und den Vettern Friedrich und George Knobloch die gesamte Hand daran.

 

1650                18. September: Kurfürst Friedrich Wilhelm erlaubt der Stadt Frankfurt das abgebrannte und ganz verödete Gut von den Vormündern des unmündigen Gottfried Knobloch für 2905 Reichsthaler abzukaufen.

 

1650                 Bis 1706 istdie Stadt frankfurt Eigentümer. Es ist nicht belegt wie die Familie v. Kameke in den Besitz des Gutes gekommen ist. Ab hier endgültig mit Gut oder Magistratsvorwerk vereinigt.Bis 1706 ist Paul Anton von Kameke Eigentümer. Es ist nicht belegt wie die Familie v. Kameke in den Besitz des Gutes gekommen ist. Ab hier endgültig mit Gut oder Magistratsvorwerk vereinigt.

                    

 

Quelle: Wikipedia

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

 

 Paul Anton von Kameke (1674-1717) Wappen der Familie Kameke

                                                       

 

1705            Die Die Stadt Frankfurt ist nach dem Erwerb der übrigen Anteile im Besitz von ganz Kliestow mit Obergericht und Untergericht und dem Patronat (Weiterer Verlauf siehe auch "Rittergut" ab 1706)

Noch ist ein Grabkreuz derer von Kameke vorhanden:                  

 

 

Quelle: Klaus Fechner

 

 

Quelle: Klaus Fechner

Aufschrift auf der Vorderseite:  

           

Wilhelmine Caroline Friederike Henriette

Kameke verehelicht mit Hauptmann von Rohr

                     geboren

                      5.Sept

                      1759

                    gestorben

                     20.Juni

                      1842

 Aufschrift auf der Rückseite:

 

 

 

 

Unvergeßlich den Ihrigen

 

  Weiterer Verlauf siehe auch unter Absatz 6.2. Rittergut ab 1706. 

 

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Thema 5: Bergbau um Kliestow

5.1. Einleitung5.2. Originalbericht von 18865.2.1. Schacht "Körner"5.2.2. Schacht "Muth"5.2.3. Zutageförderung und Aussieben der Kohle5.2.4. Unter Tage

 5.1. Einleitung

 

Unter dem 17. Mai 1765 verfügte Friedrich II an die Kurmärkische Kammer in Berlin: „Es hat der Bergsteiger Dörmer bei Berge von Frankfurth und Lebus bereisen müssen und in seinem deshalb abgestatteten Bericht gemeldet, dass in denen Bergen unweit Frankfurth nach Boßen und Lebus zu, vom ihm braune Kohle angetroffen worden, welche als eine Art Steinkohlen zur Feuerung zu gebrauchen sein möchten: Wenn nun dieser Umstand eine nähere Recherge erfordert, so habt Ihr des fördersamsten einen Versuch anstellen zu lassen , ob diese Kohlen zur Feuerung tauglich, maßen wir solchenfalls nicht abgeneigt seyn, solche zur Alaunsiederei nach Freienwalde transportieren zu lassen, und solche uns einzureichen habet, weshalb wir Euren Bericht darüber erwarten.“

Das Urteil fiel wohl nicht günstig aus, und so gerieten die Funde bald in Vergessenheit.  (Karl Michelke Heft 17)

 

 

Von 1842 bis 1911 und wegen des Mangels nach dem 1. Weltkrieg nochmals von 1921 bis 1925 wurde rings um Kliestow Braunkohle in verschiedenen Gruben mit jeweils mehreren Schächten  abgebaut.

 

Im Gegensatz zu heute wurde die Braunkohle damals nicht in Tagebauen gewonnen, denn es gab noch nicht die großen Abraumbacker und Förderbrücken wie heute etwa in der Lausitz oder dem mitteldeutschen Raum. Die Braunkohle wurde wie Steinkohle unter Tage gefördert, in Kliestow in Schächten von 38 bis 50 m Tiefe.

 

Rund um Frankfurt (Oder) gab mehrere Gruben, die jeweils verschiedene Schächte betrieben, die auch ihre Eigennamen hatten. Um Kliestow herum handelte es sich um die Grube "Vaterland".

 

Die Jahresproduktion allein der Schächte „Körner", „Muth“ und „Armin“ der Grube Vaterland betrug 750 000 Tonnen à 20 Zentner. Der ganze Bergwerksbetrieb der Grube, die im Jahre 1842 eröffnet wurde, gab 200 Arbeiter Beschäftigung. 

 

 

 

 

 

Foto: Klaus Fechner

   Foto: Klaus Fechner   

Foto: Klaus Fechner

ehem. Grubenhaus des Schachts "Muth"

 

Grubengrenzstein

 Grubenlampe

 

 

Nur wenige Merkmale deuten heute noch darauf hin. So ist das Grubenhaus der Grube des Schachtes  „Muth“ und in unmittelbarer Nähe ein Grubengrenzstein noch erhalten, sowie eine Grubenlampe und die Abraumhalden (siehe Bilder links). Ein Bericht in der Frankfurter Oderzeitung von 1886 schildert im nächsten Kapitel umfangreich wie die Kohle abgebaut wurde.

 

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5.2. Originalbericht von 1886

  

Ein Besuch der Braunkohlengrube „Vaterland“

bei Frankfurt a. d. Oder

 

Originalbericht der Frankfurter Oderzeitung vom 31.Oktober 1886

(Fortsetzung des Berichts am 02.11.1886)

 

recherchiert, aufgeschrieben und Bilder hinzugefügt von Klaus Fechner, Absatzüberschriften hinzugefügt von Ulrich Schultheiß. Um den Originaltext zu erhalten wurde darauf verzichtet, gegenseitige Verwendungen für die Begriffe Zeche, Grube und Schacht zu korrigieren. Im Bericht geht es um den Besuch der Grube oder Zeche „Vaterland“ und deren Schächte „Körner“ und „Muth“.

 

 

Hoch über meinem Haupte flogen Wildgänse schreiend nach Süden. Ein scharfer Oktoberwind wirbelte die letzten Blätter von den Bäumen und trieb die raschelnden spielend vor sich her, als ich nicht weit hinter Köhlmann`s Fabrik die Frankfurt – Berliner Chaussee verließ und linker Hand einen schmalen wenig betretenden Feldweg einschlug, der mich in Kürze zum Schacht „Körner“ der Vereinszeche „Vaterland“ führen sollte.

Hier auf freien Plane wehte der Wind mit noch größerer Strenge, zu eiligerem Zuschreiten mahnend. Ja, ja der Winter schickt uns seine Boten, auf das wir uns bei Zeiten einrichten, ihm würdig empfangen zu können. Man fülle die Keller mit Holz und Kohlen, denn alle Anzeichen sprechen dafür, dass der Winter wieder hart und rau sein wird. Bei solchen Aussichten wird es den einheimischen Lesern unserer Zeitung erwünscht sein, einen Blick in das Getriebe zu tun, das wohl hauptsächlich Frankfurts Öfen mit Brennmaterial versorgt. Weiter denn, dem Ziele zu! Der gerade nicht bequeme Weg schlängelt sich zwischen hügeligen, jetzt leeren Stoppelfeldern dahin, hin und wieder bemerkt man brachliegendes Land, jedenfalls durch den Bergbau hervorgerufene Bruchstellen. Jetzt ersteigt man die Höhe eines winzigen Hügels, kaum verdiente er diesen Namen, und die Rauch - und Kohlenstaubgeschwärzten Gebäude des Körner- Schachtes liegen vor dem Wanderer. 

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Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Karte der Schächte um Kliestow von 1894

 

5.2.1. Der Schacht "Körner"

Nachdem das Geleise der nach Küstrin führenden Eisenbahnstrecke überschritten ist, steht man auf einem Platze, dessen Boden einige Millimeter hoch mit Kohlestaub bedeckt ist. Bei jedem Schritte erhebt sich eine kleine dunkle Staubwolke.

Ich habe das Vergnügen auf Schacht „Körner“ gerade den technischen Leiter des Bergwerkes, Grubeninspektor Damm, anwesend zu finden, der die Freundlichkeit hat, mich mit der nur auf diesem Schachte betriebenen Presskohlen – Fabrikation näher bekannt zu machen. Ein weit verbreiteter und eigentlich durch nichts gerechtfertigter Irrtum wird gleich im ersten Augenblicke berichtigt. Zur Erzeugung der Presssteine wird nicht – wie fast allgemein geglaubt – schlechtes Material, z. B. mit erdigen Bestandteilen vermischter Kohlenabfall verwendet, sondern gute, unvermischte Kohle, hier auf Schacht „Körner“ alle aus Flöz 4 (in der bergmännischen Sprache der „liegenden Partie “ angehörig) geförderte Kohle. 

 

 

 

 

Die Presssteine unterscheiden sich von dem ursprünglichen Material dadurch, dass sie nicht mehr abfärben, wie die unverarbeitete Braunkohle, eine dunklere Farbe als diese besitzen, und wegen ihrer Festigkeit sich zum weiteren Transport eignen. Alle auf Schacht Körner geförderte Kohle wird zur Fabrikation von Presssteinen verbraucht. Zuerst gelangen die Kohlen mittels einer Rutschbahn direkt aus dem Förderschacht in eine Grube, wo sie von einem Mahlwerk zermahlen werden. Ein Elevator hebt nun dieses zermahlte Material empor und schüttet es in einen eisernen krippenähnlichen Trog in welchem es durch eine so genannte Schnecke langsam weiter geschoben und gleichmäßig genässt wird. Das in dem Troge befindliche Material darf nur mit einem ganz bestimmten Quantum Wasser durchnässt werden und es muss ein geschickter Arbeiter sein, welcher der Kohle einen bestimmten Feuchtigkeitsgrad gibt. Mittlerweile ist aus den erst  vor kurzer Zeit aus dem Schoße der Erde heraufgekommenen Braunkohlen ein kleisterartiger Brei geworden, der nun durch vier Walzenpaare gequetscht wird und durch ihnen zerrieben, durch Schneckenbetrieb in den so genannten „horizontalen Rumpf“ gelangt. In diesem Rumpfe wird die Teigmasse gewaltig zusammengepresst und, nachdem sie durch Dampf erwärmt worden, zum Mundstücke des Apparats – ähnlich wie bei der Ziegelproduktion- im wurstförmigen Strange hinausgedrückt und letzterer beim Hinaustreten fortwährend in je drei Stücke zerschnitten. Der Presskohlenstein ist fertig – bis aufs Trockenwerden. Deshalb werden jetzt die  feuchten, warmen Presskohlen von zu solchen Arbeiten besonders geschickten Frauenhänden auf Regale gelegt und diese mittels kleiner Wagen auf Schienenwegen in die ausgebauten Lagerräume gefahren, in welchen die Presssteine zu ihrem völligen Brauchbarwerden trocknen müssen.  Unter den Riesenschuppen des Körner- Schachtes lagern alljährlich gegen 5 ½ Millionen  Presssteine, - so viel beträgt nämlich die Jahresproduktion, die natürlich nur in den nicht winterlichen Monaten stattfinden kann.

Die zum Pressereibetriebe notwendige Dampfenergie wird von einer liegenden Dampfmaschine zu 35 und von einer Lokomobile zu 8 Pferdestärken erzeugt. Die mit der Presskohlenfabrikation zusammenhängenden Verrichtungen – vor allem Aufstapeln der Presssteine – werden größtenteils von Frauen besorgt, die oft in der mit Kohlenstäubchen erfüllten Atmosphäre  eine besonders gefährliche Arbeit haben.

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 5.2.2. Der Schacht "Muth"

  

Da wir nun alles gesehen, wodurch sich die Grube „Körner“ von den beiden anderen Betrieben des Bergwerks auszeichnet, nehmen wir von unseren liebenswürdigen Führer Abschied. Sein „Glück auf“, der alte, herzige Bergwerksgruß, begleitet uns auf den Weg, der durch das Dörfchen Cliestow nach den Schacht „Muth“ führt.

   Dort, wo das Geleise der „Frankfurter Lokal – Güterbahn“ die Chaussee überschreitet betreten wir letztere wieder. Vom klaren Herbsthimmel hebt sich in scharfen Linien die Seilbahn ab, welche die Ladestation der Grube an der Lokal – Güterbahn mit dem linker Hand liegenden Schacht „Armin“, sowie mit dem Schacht „Muth“ verbindet.

 

Es gewährt einen eigentümlichen Reiz, hoch oben in der Luft die mit Kohlen beladenen und leeren Wagen hin und herschweben zu sehen, wie große Spinnen an ihren Netzfäden, so hängen und laufen die kleinen Waggons an ihren Seilen. Und kommt man erst ein wenig näher, so hört man ein Surren und Schnurren, als drehe in der Umgebung eine Riesenjungfrau Jötunheims uralten Zeiten ihr Spinnrad.  Die dem Bergwerk unentbehrlich gewordene Seilbahn wurde vor vier Jahren von der Firma Bleichert und Komp in Leipzig aufgestellt. An der Ladestation geht es ohne Aufenthalt vorrüber und nun gelangt man bald zur Dorfschmiede Cliestow`s.

 

 

 

Quelle: Fam. Scherz 1900   Foto: Klaus Fechner

Ehemalige Schmiede 

 

Rest der Halde Muth hinter dem „Sonnenhang“

 

 

 

 

Gleich hinter dem Hause wendet sich der Weg rechts, die Dorfkirche bleibt ebenfalls rechts liegen und nun schreitet man an dem Gasthaus vorbei dem Schacht „Muth“ zu.

 

Kurz vor den Baulichkeiten des Betriebes befindet sich an der linken Seite des Weges eine große durch Zäunen abgegrenzte und durch Strohwich Stangen als „besonders gefährlich“ bezeichnete Bruchstelle. Die Besitzer solcher Felder, die durch den Bergbau auf Jahre hinaus kulturunfähig werden, erhalten von der Grube Entschädigungen. Da entstehen dann nicht selten Meinungsverschiedenheiten über Nutzwert und dergleichen zwischen Besitzer und Bergwerk, und zur Vermeidung solcher Differenzen bestimmt das Bergrecht für so genannten neuen Provinzen Preußens, das die Bergwerksunternehmer nicht nur das Land, auf dem die Betriebsgebäude errichtet werden, käuflich zu erwerben haben, sondern überhaupt alles Land, in dessen Schoße Kohle „vermutet“ wird. Die Betreffenden besitzen dann aber auch das Recht der „ewigen Teufe“ d. h. das Recht einer unbeschränkten Ausdehnung des Bergbaues in der Tiefe.

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 5.2.3. Zutageförderung und Aussieben der Kohle

  

    Auf Schacht „Muth“ ist vorerst der Kohlenmeister Führer. Er steht am ersten Rumpf, aus dessen Schlünden die Arbeiter die Förderkohle in kleine Waggons gleiten lassen, die dann auf dem Schienengeleise zur Kopplungsstation der Seilbahn gebracht und mittelst letzterer zur oben erwähnten Ladestelle befördert werden. Unter Leitung des Kohlenmeisters werden nun die Maschinenräume und der Raum besichtigt, in welchem zwei Riesenpumpen, Tag und Nacht ohne Aufhören, das aus der Tiefe der Erde gehobene Wasser in eine Gosse befördert, aus welcher es in einen Graben fließt, der es im weiteren Laufe in die Oder führt. Jetzt steigen wir auf einfacher, aber ungemein fester Leiter, in den Bau hinauf in welchem sich die Siebvorrichtungen und die Kohlenabnahmestation befindet. In Letzterer steht ein vereideter Förderungs- Aufseher, der während seiner Dienststunden nicht vom Flecke weichen darf.

Ein leerer Wagen rollt heran, im gleichen Augenblicke bringt die Fahrkunst einen mit Kohlen vollgeladenen Wagen aus dem Schachte herauf. Im nu wird der vollgeladene von der Förderschale herunter gezogen, der leere auf die Scheibe hinaufgeschoben. Der Förderungsaufseher gibt ein Zeichen, die Fahrkunst sinkt an einer Seite mit leeren Wagen in die Unterwelt und bringt an der anderen Seite eine zweite Ladung ans Tageslicht. So geht die Sache  wechselweise in infinitum weiter. Der Förderungsaufseher nimmt aber jedem vollen Wagen ein obenauf liegendes, mit bestimmten Zeichen versehendes Holztäfelchen ab und reiht dasselbe an einem Eisendrahte auf. Sind auf einem Drahte aber 38 solcher Holztäfelchen versammelt, so hat der das betreffende Zeichen des Täfelchens führende Bergmann unten in der Grube 12 Stunden lang oder (1 1/2 Schicht) seine Schuldigkeit getan und in dieser Zeit 38 Wagen, a 5 Hektoliter enthaltend , mit Kohlen gefüllt.

 

 

Im ersten Teile unseres Artikels hatten wir zuletzt die Förderungsvorrichtungen geschildert. Nehmen wir an, es sei soeben wieder ein mit Kohlen beladener Wagen aus der Tiefe des Schachtes heraufgekommen. Er wird nun von der Hängebank, das ist die über Tage gelegene Schachtöffnung, nach der Kippvorrichtung  des ersten Rumpfes (für Förderkohle) gefahren, oder an der des zweiten Rumpfes in den ersten Trommelsieber geschüttet, der seinerseits die  „Stückkohle 1 “ zurück hält. Die durch die Maschen des ersten Trommelsiebers  durchfallende Kohle wird durch einen Elevator in den zweiten gehoben, in dem nun die „Stückkohle 2“ ausgesondert wird. In den letzten beiden Trommelsiebern – die sich alle in fortwährender Drehung um ihre eigene Achse befinden – scheidet man noch die kleine „Knörpelkohle“ und die „Grußkohle“ aus. Ähnliche, doch im kleineren Maßstabe angelegte Siebvorrichtungen wie hier auf Schacht „Muth“ sind auch auf der Ladestation.

 

 

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 5.2.4. Unter Tage

   Jetzt haben wir alle „Über Tage“ liegenden Einrichtungen in Augenschein genommen und wir verabschieden uns vom Kohlenmeister, um im Steigerhause die „ zur Fahrt in die Unterwelt“ nötigen Vorbereitungen zu treffen. Ein Steiger – auf der Grube sind 4 Steiger  und ein Obersteiger tätig – wird Führer sein.

Schnell wirft man sich in die bereit liegende „Bergmannskluft“, schnallt das Bergleder um die Lenden und drückt einen derben, breitrandigen Filzhut aufs Haupt.  Nachdem wir noch frisches 0el auf unsere Lampen geschüttet, begeben wir uns zum Förderschacht, die Lampen werden angezündet, wir treten auf die Förderschale, der Steiger gibt ein Zeichen und – hinunter geht’s in den dunklen Schoß der mütterlichen Erde! „Wir fahren an“ heißt der bergmännische Ausdruck.

    Ein sehr sonderbares Gefühl bemächtigt sich desjenigen, der zum ersten male wagt, in die Geheimnisse der Tiefe einzudringen. Dem Manne des Berufs ist die Sache alltäglicher geworden und nur selten wird er sich darüber poetischen Reflexionen hingeben, den Laien aber, der zum ersten male sich in unserer Lage befindet, werden die verschiedensten Empfindungen durchzittern. Tiefer und tiefer sinken wir und es ist, als wäre die doch erst Sekunden lange Fahrt schon eine Ewigkeit.

Unsere Grubenlichter flackern und qualmen. „ Erheben sie sich auf die Zehenspitzen, damit sie keine Erschütterungen davontragen, gleich sind wir unten “! ruft der Steiger und schon halten wir mit gelindem Ruck an. Wir sind am Füllorte, der stationär beleuchtet wird und können daher einen ziemlich guten Umblick tun. Aus den Strecken kommen volle Wagen angerasselt und leere verschwinden dahin. Der Obersteiger ist mit einigen Leuten beschäftigt, nachzusehen, ob unten an den Pumpen alles in Ordnung ist.  In welcher Tiefe befinden wir uns wohl? Fragen wir den Führer. „Schacht Muth“ ist 38 Meter tief. Wie tief sind wohl die beiden anderen Schächte?  Armin ist 39 Meter und Körner 50 Meter tief.

    Wir begeben uns nun in die Grundstrecke hinein, unsere beiden flackernden Grubenlichter nur leuchten aus dem feuchten schlüpfrigen Wege, hin und wieder patschen wir durch Wassertümpel, Fördermänner mit ihren gefüllten Wagen kommen an uns, die wir uns eng an die Wände drücken müssen, vorüber. Endlich gelangen wir „Vor Ort“, d. h. an eine Stelle, wo die Gewinnungsarbeiten stattfinden.

Auf der Grube „Vaterland“ wird Pfeilerbruchbau betrieben. Von der Grundstrecke aus werden nach der nächst höher gelegenen Abbaustrecke aufsteigende, diagonale Strecken durchgeführt. Nachdem das Flöz in einer Unzahl von Abbaupfeilern  eingeteilt ist, beginnt an den äußersten Enden der eigentliche Abbau. Zur Unterstützung des Dachgesteins lässt man zuerst noch regelmäßig eingeteilte Kohlenpfeiler stehen, die aber schließlich auch noch abgebaut werden. Nun, nachdem schon vorher alle Stempel (Stützhölzer) geraubt, d.h. weg geschlagen worden, muss das Gebirge gleichmäßig nieder gehen.

    Mit kräftigem „Glück auf“ begrüßen wir die kohlenstaubgeschwärzten Hauer, von denen 3 – 4 mit ihrem Fördermann zusammen eine Kameradschaft bilden.

„Glück auf“ schallt es zurück. In gebückter Stellung, nur wenig bekleidet oder ganz nackt, von Schweißströmen gebadet, da verschiedenen Orten eine wahrhaft tropische Hitze herrscht, schwingen die Leute 12 Stunden lang ihre Werkzeuge und entreißen dem Erdreich die Braunkohle.

    Ist der Wagen gefüllt, so legt der Hauer sein schon oben erwähntes Holzstäbchen oben auf und der Fördermann schiebt den Wagen auf schmalem Geleise vorwärts zum Füllorte.

    Es ist ein mühseliger, gefahrenvoller Beruf und doch poesievoll wie wenig andere. Und das empfindet, wenn auch nur zeitweilig, wohl der geringste unter den Leuten, wenn er mit Lust und Liebe Bergmann ist. In der heimlichen Tiefe der Erde, deren Dunkel nur ein winziges Lämpchen lichtet, umgeben von Gefahren, drängen sich dem Bergmann Betrachtungen auf, die anderen Leuten seltener kommen werden.

 

                            Wir wandern tief, wo das Leben beginnt,

                             Auf nie ergründeten Wegen.

                             Der Gänge verschlingendes Labyrinth

                             Durchschreiten wir kühn und verwegen.

                             Wie es oben sich regt im Sonnenlicht,

                             Der Streit über Tage kümmert uns nicht.

 

    So sang Theodor Körner, der ja auch ein Bergmann war und zu dessen Ehren die Grube einen ihrer Schächte „Körner“ taufte.

    Wir schreiten weiter und so tief man sich auch bückt, oft schlägt sich der Kopf mit Macht an der Deckenzimmerung. Man muss halt eben alles lernen, auch das Gehen im Bergwerke. Jetzt kommen wir an einen Arbeiter vorüber, der an der Streckenzimmerung eine Reparatur vorzunehmen hat. Seine Grubenlampe brennt schlecht und auch die unseren haben nicht mehr die breite, volle Flamme ein Beweiß, dass die Wetter (Luft) an dieser Stelle nicht mehr „gut  atembar“ sind. Es muss deshalb ein Wetterwechsel oder Wetterung mittels der Wetterschächte und der zur Absperrung gewisser Gänge und Strecken notwendigen Wettertüren erzeugt werden. Schon durch das Atmen vieler Menschen, sowie durch das Brennen der Grubenlichter, wodurch der atmosphärischen Luft Sauerstoff entzogen wird, sodann durch die Zersetzung organischer Körper, sowie durch das ausdünsten der Arbeiter wird die Luft verschlechtert. In diesen Fällen pflegt man von matten Wettern zu sprechen, während man unter bösen Wettern diejenige Luft versteht, die für den Organismus feindliche Gase enthält. Bei einem Gehalte der Luft von 4 – 5 Prozent  Kohlensäure fangen die Lichter bereits an, schlecht zu brennen und verlöschen ganz bei einem Gehalte von 10 Prozent, während für den Atmungsprozess eine 5 Prozent Kohlensäure enthaltene Luft bereits höchst gefährlich ist.

Wir begeben uns nun durch eine Verbindungsstrecke zur Abbaustrecke, um dann auf dieser wieder zurück zum Füllorte zu gelangen und müssen dabei an einer Brandstelle vorüber, wo sich die Kohlen durch Zersetzung der im Flöz befindlichen Schwefelkiese entzündet haben. Derartige Brände, die für gewöhnlich durch Sandschüttungen – versetzen der Berge – gelöscht werden, können leicht sehr gefährlich werden. Vor ungefähr 10 Jahren brannte Schacht „ Körner“ ab, und zwar war das Feuer durch Selbstendzündung der Kohle entstanden.

 

Wir kommen dem Füllorte immer näher und wahrlich, es ist Zeit.  Denn durch das tief gebückte Gehen  und anhaltende Einatmen der ungewohnten Grubenluft  sind wir todmüde, auch kurzatmig, mit einem Worte „bergfertig“ geworden. Wir sehnen uns hernach, wieder das Licht des Tages begrüßen zu können. Was sollen wir auch länger verweilen? Tiefer in das bergmännische Getriebe einzudringen, ist bei einem ersten und vielleicht auch letzten Besuche doch nicht möglich und Details gerade dieser Grube wiederzugeben, vermag nur der Fachmann.

 

 

 

 

Die Jahresproduktion dieser 3 Schächte – Schacht „Armin“ bietet nichts, was sich von den Einrichtungen des Schachtes „Muth“ unterscheiden könnte – beträgt 750 000 Tonnen, a 20 Zentner. Der ganze Bergwerksbetrieb der Grube, die im Jahre 1842 eröffnet wurde, gibt 200 Arbeiter Beschäftigung.

 

    Jetzt, nachdem wir uns am Füllorte erholt, betreten wir die Förderschale – die Bergleute benutzen für gewöhnlich nur selbst gezimmerte Leitern  zur Ausfahrt – und nach einer Sekunde streben wir wieder den Sonnenschein entgegen …

 

                

 „Durch den Schacht auf der schwindeligen Fahrt hinauf

zum rosigem Lichte.

Glück auf ! Glück auf !“

 

 

 

 

 

 

Foto: Fam. Scherz 1900

 

Schacht „Armin“ um 1900 

 

  

 

 

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Thema 4: Entstehung des heutigen Dorfes Kliestow

4.1 Mittelalterliche Besiedelung4.2. Landverteilung im 16. Jh.4.3. Eingliederung des Wendischen Hofs

 

4.1. Die mitteralterliche Besiedelung

Im 13. Jahrhundert begann die deutsche Besiedlung der Gebiete zwischen Oder und Spree. Der Askanische Markgraf Albrecht II. hatte das Land seit 1205 regiert. Er hatte die Kolonisation schon weit vorangetrieben. Nach seinem Tod 1220 regierten seine Söhne Johann I. und Otto III. (Otto der Fromme) gemeinsam das Land. Diese beiden Markgrafen erhielten den Beinamen „die Städtegründer“, denn sie gründeten in der Mark 19 Städte, darunter Frankfurt, Fürstenwalde Müncheberg, Seelow und Strausberg.

 

 

 

Quelle: Klaus fechner, Stadtarchiv   

Quelle: Wikipedia-Artikel Johann I. (Brandenburgt), hochgeladen 29.09.2013

Karte der Mark Brandenburg um 1320

 

Die "Stadtgründer", die Markgrafen Johann I. und Otto III (Otto der Fromme),

symbolisch dargestellt mit dem Plan von Berlin

 

 

 

Von 1200 bis 1300 wird somit auch eine weitere Ansiedlung in Kliestow erfolgt sein, denn die Brandenburger Markgrafen haben in ihrem Landesteil offenbar auch die bäuerliche Besiedlung vorangetrieben. Westlich und südlich von Frankfurt ist eine geschlossene Gruppe von 14 Dörfern ganz gleichmäßig mit 64 Hufen ausgestattet worden, von denen 4 Hufen als Pfarrhufen ausgewiesen sind. Dazu wird auch Kliestow gehört haben, denn 1405 wird Kliestow mit 52 Hufen ausgewiesen, davon 4 Pfarrhufen. Der Wendische Hof hatte 10 bis 12 Hufen. Da man diese Dörfer nicht unbedingt eindeutig den Askaniern zuordnen konnte, war man dennoch gehalten dieser Gruppe von 14 Dörfern der Askanischen Siedlungspolitik in unserem Raum zuzurechnen. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts gelangte das Land Lebus und somit auch Kliestow vollständig in den Besitz der Brandenburgischen Markgrafen (1308 – 1319 Markgraf Waldemar, 1319 – 1320 Markgraf Heinrich der II.). Kliestow ist somit eine echt eindeutige deutsche Neugründung. Das beweist auch die Kreuzform der ersten angelegten Straßen, an deren beiden Seiten die Häuser gebaut wurden. Zur einen der Winkelweg – Sandfurt , zur anderen die Lebuser Straße. Als sicher gilt auch, dass auf der Gemarkung von Kliestow schon eine viel ältere slawische Siedlung bestand, (Klein-Clistow, Wendischer Hof am Oderhang), von der das deutsche Dorf dann sicherlich seinen Namen erhielt (ow und owe ist eine typische Endung wendischer bzw. slawischer Ortsnamen). Dieser Name wird abgeleitet vom slawischen Wort „ Kljutzsch “. Das bedeutet soviel wie Quelle oder Spring (siehe Bericht 1 Namensentwicklung). Es entstanden im Laufe der Zeit ein Rittergut, ein Magistratsvorwerk, ein Freigut in dem damals unterteilten Groß-Cliestow (Magna Clestow, in dem Stiftsregister von Lebus von 1405 so genannt) und dem frühzeitig wüst gewordenen Dorfe Klein-Clistow (Parvo Clistow), das später den Namen „Wendischer Hof “ bekam, welcher wie schon erwähnt, die ältere slawische Ansiedlung war. 1460 taucht erstmals die Bezeichnung „uff dem wendischen Hofe“ auf. Der Wendische Weg ist die letzte Erinnerung an diesen Hof. Er endet heute an der Lebuser Chaussee. Auf einem Plan von Karl Michelke sowie auch auf anderen älteren Karten sieht man, dass dieser Weg früher bis zur Kante des Oderhanges führte. Hier befand sich auch der „Wendische Hof“.

 

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4.2. Landverteilung in Kliestow zum Anfang des 16. Jahrhunderts

Kliestow hatte eine Pfarrkirche, und war ursprünglich 1505 (außer Klein-Kliestow) 52 Hufen groß, von denen 4 dem Pfarrer gehörten, 48 aber waren zehentpflichtig. Groß-Kliestow war zur damaligen Zeit wie folgt aufgeteilt 1 Bauer mit 6 Hufen 1 Bauer mit 5 Hufen 2 Bauer mit 4 Hufen 1 Bauer mit 3 Hufen 2 Bauer mit 2 Hufen 4 Kossäten mit 1 Hufen 1 Vorwerk mit 8 freien Ritterhufen 1 Gut mit 12 bzw. 14 Hufen 4 Pfarrhufen 2 Kirchhufen Es gab weiterhin 7 Kossäten, die nur einen Garten hatten, eine Mühle, oder einen Weinberg. Der alte Wendische Hof war 10 Hufen groß. 7 freie Bauern hatten somit 26 Hufen. Die eine der 4 Hufenstellen war das Schulzenlehen mit einer freien Schäferei auf den Brachfeldern der Bauern, und einer Einnahme von 8 Scheffel Roggen aus der Mühle und 2 Pfennigen von jeder Tonne Bier, die im Kruge ausgeschenkt wurde. Die Anzahl der Bauern und Kossäten sowie die Besitzverhältnisse änderten sich natürlich im Laufe der Jahrhunderte, die in den folgenden Berichten noch dargestellt werden. Hufen war damals ein Anteil an den zu beackernden Boden in einem Dorf, der von dem Besitzer mit einem Fuhrgespann oder auch von der gesamten Familie bearbeitet werden konnte. Sie sollten der bäuerlichen Familie Arbeit und Nahrung geben und ihn befähigen seine Unterhaltsverpflichtungen zu erfüllen. Die Größe schwankte somit immer etwa zwischen 30 bis 60 Morgen in den Ländern. Im Land Brandenburg war die Hufe damals 66 Morgen groß. Um 1300 Etwa im 3. Viertel erfolgte der Bau der Dorfkirche

 

 

 

 

 

Quelle: Klaus fechner, Stadtarchiv   Quelle: Klaus fechner, Stadtarchiv

Ansicht des Kirchturms aus:

"Das Dorf Cliestow" von Heinrich Andriessen 1909

 

Ansicht des Kirchenportals aus:

"Das Dorf Cliestow" von Heinrich Andriessen 1909

 

 

 

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4.3. Eingliederung des Wendischen Hofs 

Im 1500 Jahrhundert tritt erstmals der Ortsname „Wendischer Hof “ auf, der auf ein Zusammentreffen zwischen Slawen und Deutschen zur Kolonialzeit hinweist. Ursprünglich hieß der Ort Klein-Kliestow. Dies ist der einzige Name im Land Lebus, der durch das Adjektiv „wendisch“ eventuell einen Hinweis auf den Verblieb von Slawen bzw. Wenden liefert. Über die Wenden, die hier vor der Wüstung des Anwesens offensichtlich lebten, gibt es keinerlei Angaben.

 

Aus alten Akten ist folgendes zu entnehmen:

 

Um 1300: besaß ein Frankfurter Bürger mit Namen Liphard ein Hof von 10 bis 12 Hufen.

 

1308: Diesen Hof, mit dem Namen Clistowe; erben die minderjährigen Söhne beim Tod des Frankfurter Bürgers Liphard, wie in der nachfolgenden Urkunde vom Jahre 1325 belegt wird.

 

 

Quelle: Klaus fechner, Stadtarchiv

Stadtarchiv Frankfurt(Oder) Riedel Band 20 1861

 

 

 

 

 

1371: Hermann Schulze (Stadtschulze von Frankfurt) übernimmt den Hof von Herrmann Wale und dessen Sohn Gericke Wale und einigt sich in einem Vertrag mit dem Magistrat zu Frankfurt und den Einwohnern zu Kliestow über die Grenzen zwischen seinem Hof, dem Dorf Kliestow im Lebuser Land und über die Nutzung sowie Holzung des Schimmingk (Wald) rings um sein Anwesen.

 

1400: Nach dem Stiftsregister von Lebus hatte Klein–Kliestow („parvo Clistow“) 10 Hufen, und hatte dafür 40 Groschen Bischofszehnt zu bezahlen. Es besteht auch noch Groß-Kliestow („magno Clestow“).

 

1448: wurde Martin Wins (auch Winß und Winsen) mit einem Schock (60 Stück)Groschen auf dem Wendischen Hofe von den Landesherren belehnt, nachdem er solche von Hans Lossow zu Botschow für 25 rheinländische Gulden gekauft hatte. Diesen Schock Groschen besaßen seine Nachkommen noch 1598 bzw. 1621von der Landesherrschaft zu Lehen. Martin Wins war 1426 zweiter und 1442 erster Bürgermeister von Frankfurt.

 

1460: Nach dem Schoßregister zinste der Wendische Hof 1 Schock Groschen. Es tauchte zum ersten Mal die Bezeichnung „ uff dem wendischen Hofe“ auf. 1489 oder 1490 verkauft Georg Steinkeller zu Falkenberg den Hof an Lorenz Bone (oder Busse). Bone besaß den Hof aber nur ein Jahr.

 

1500: Den Hof hat jetzt Fabian Hocke. Dieser kauft das Holz rings um den Hof, den so genannten Schimmingk, in dem er bisher nur roden und holzen durfte, zu eigenem Bedürfnis, gegen 3 rheinische Gulden jährlich als sein volles Eigentum. Hocke nahm eine Schuld von 100 Schock Groschen für den Hof von einem Frankfurter Altaristen Michael Tabbert auf, wofür er 8 Schock jährliche Zinsen zahlte. Das Kapital sollte nach dem Tod des Altaristen Michael Tabbert an die Kirchen Frankfurts und an die Bruderschaften der Kalandsherren und Marienbrüder fallen. Nach Hockes Tod ging die Witwe Hocke vom Wendischen Hof fort und ließ ihn wüst liegen.

 

1510: Der Altarist musste den Hof für seine Schuld übernehmen und verkaufte ihn 1514, mit Genehmigung des Magistrats zu Frankfurt, an die Gemeinde zu Clistow für 100 Groschen Märkischer Münze. Die Gemeinde gewann dadurch seine Wiesen bis zur Oder. Die gesamten Bauern von Kliestow gaben jährlich dem Rate zu Frankfurt von dem hinter dem Wendischen Hofe gelegenen, ihnen gehörenden Erlenholz 3 Rheinische Gulden zu Michaelis, und benutzten dasselbe nach ihrem eigenen Gefallen.

Im Frankfurter Jahrbuch 2008/2009 S.71 wird gesagt: Zu diesem Zeitpunkt waren die Bauern von Kliestow berechtigt, den hinter dem Wendischen Hofe liegenden Erlenwald zu bewirtschaften und müssen davon eine jährliche Abgabe in Höhe von einem Schock und 36 Groschen an die Stadt zahlen. Dies ist der einzige Name im Land Lebus, der durch das Adjektiv „wendisch“ eventuell einen Hinweis auf den Verbleib von Slawen liefert. Der Hof ist in der Feldmark von Kliestow somit integriert, aber der Hof wurde nicht wieder besiedelt. Die Hufenzahl von Kliestow erhöht sich somit auf 62. 1555 Der Wendische Hof gibt 40 Groschen Bischofszehnten

 

1621: Es werden noch Hebungen vom Wendischen Hof genannt Dieser Besitzstand ist auch nach der Separation im Wesentlichen derselbe geblieben. Ein Bauernhof wurde vom Gutsbesitzer verkauft; ein anderer wurde durch Verkaufen von Acker bedeutend kleiner. Anmerkung: Im Stadtarchiv Frankfurt gibt es eine Akte Nr. XIV 178, 84 Seiten, die den Schriftverkehr zwischen den Hof und den Behörden beinhaltet. Der erste Brief ist aus dem Jahre 1371. Brockhaus Conversations-Lexikon Kalandsbrüder, Kalandsherren: so hießen die Mitglieder einer gewissen andächtigen Brüderschaft im 13. Jahrhundert, der Kaland genannt, welche sich Anfangs zwar zur gemeinschaftlichen Andacht zu gewissen Zeiten, besonders zu Anfange eines jeden Monats versammelten, auch dabei für die Seelen der Verstorbenen etwas beitrugen etc.; aber in der Folge bloß zu Schmausereien und Wohlleben diese Zusammenkünfte hielten: daher denn auch das Haus, worin sie zusammenkamen, das Kalandshaus, der Kalandshof, und die Theilnehmer Kalandsbrüder, oder wenn es Geistliche waren, Kalandsherren hießen. Daher kommt auch ein Sprichwort: Er kalandert die ganze Woche, welches von einem herumschweifenden, täglich in Schmaus lebenden Menschen gesagt wird. – Man hat wegen der dabei vorfallenden Ausschweifungen das Ganze nachher abgeschafft.

 

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Thema 3: Historische Kliestower Grenzziehungen

 

3.1. Der Frankfurter Grenzvergleich von 15733.2. Der Rezeß von 1834

 

 

Im Mittelalter gab es, wie sicher hier und da auch heute, Streitigkeiten über den Verlauf von Grundstücksgrenzen der herrschaftlichen, städtischen oder privaten Eigentümer. Im so genannten Frankfurter Grenzvergleich wurden 1573 einige der Streitigkeiten beschieden (Pkt. 3.1.). Selbst danach folgte noch 1834 ein Separationsrezeß, der weitere Grenzfestlegungen um den Unterweg an den Grenzen der Grundstücke betraf (Pkt. 3.2.).

Um inhaltlich wenig Verluste zuzulassen, sind im Folgenden originale Texte aus der „Frankfurter Oderzeitung“ vom 27.12.1934 und vom 27.06.1939 (Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder), aufgeschrieben von Klaus Fechner 2012, leichte Textbearbeitung von Ulrich Schultheiß 2012) widergegeben.

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3.1. Der Frankfurter Grenzvergleich von 1573

Nordwärts des von Kliestow herabkommenden, im abgehenden 16. Jahrhundert als Peter Hanff`s Mühlengraben bezeichneten Mühlenfließes, das einst die Ragoser Mühle trieb, liegen der früher zum Kliestower Vorwerk gehörige, etwa 25 Kleine Morgen messende Weinberg und östlich davon der Klingeberg, am linksseitigen Höhenrand des verhältnismäßig engen Mühlentals.

Zwischen beiden Bergen führte eine alte Straße als Oberweg über die Höhen nach Lebus. 

 

 

 

Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012

 

Im Hintergrund der Schornstein des ehemaligen Zementwerks im Triftweg, Ecke Ragoser Talweg, Kliestower Sraße, über dessen Grundstück der so genannte Oberweg nach Lebus führte. Folgt man dieser Mulde (Oberweg ) weiter, so kommt man heute etwa in Höhe der Milchviehanlage Kliestow auf die Lebuser Chaussee, früher der weiterführende Weg nach Lebus.

 

 

 

 

Am Fuße des Ostabhanges jener Höhen verläuft ein ehemaliger Grenzweg, der Lebuser Unterweg. Er führt vorüber an dem schon bald nach 1500 wüste gewordenen Wendischen Hof und durch das heute nicht mehr vorhandene Gehölz vom Schimmingk (dem Schimmels- oder Schemeswinkel) zu dem als wichtigste Landmarke geltenden Ziegenberg, und weiter nach unserem Nachbarstädtchen Lebus.

    Im weiten Bogen umfließt der schmale und kaum augenfüllige Mühlengraben im ehemals so genannten Fehrandslauf eine vor dem Klingeberg gelegene, vor Hochwasser sichere, terrassenförmig sich ausbreitende Fläche. Auf der stand um 200 n. Chr. ein burgundisches Dorf, dessen im Laufe der Zeit verschütteten Reste durch wissenschaftlich geleitete Arbeit mit den Spaten jetzt wieder freigelegt werden. Das nordwärts eilende Fließ mündet in den lang gestreckten, nur noch in spärlichen Überbleibseln erkennbaren, östlich sich ausdehnender K l i e s t e r  S e e, wo zuweilen Kiebitz und Fischreiher ihre Beute suchen und die Stimme der Himmelsziege den einsamen Wanderer aufhorchen lässt... die Himmelsziege - ein Vogel. Ihr richtiger Name ist Bekassine oder kleine Sumpfschnepfe. Im Sturzflug spreizen diese Vögel ihre Schwanzfedern. Durch den Flugwind schwingen dann diese Federn. Es entsteht dabei ein ganz spezielles Geräusch, das man als Meckern einer Ziege deuten könnte.

    Das weite Niederungsgebiet, das einstmalige Luch, das sich von den Vorstadtgärten bis an den Ziegenberg und dem Unterweg bis zu den Oderrehnen erstreckte, gehörte als Hütungs- und Wiesenland zu der Lebuser Vorstadt. Dagegen blieb die Hütung des Nachbardorfes auf der schmalen Saum (Soom, auch Saam) beschränkt, der längs des Unterweges bis zum Ziegenberg reichte.

    Im Laufe des 16. Jahrhunderts, wahrscheinlich auch schon viel früher, kam es wegen der „Grasung, Hütung und Holzung“ in dem Luche des Öfteren zu „weitläufigen Irrungen“ und infolgedessen zu Streitigkeiten zwischen den dortigen Grenznachbarn. Sie führten schließlich so eine Art Kleinkrieg, in den der zuständige Rat von Zeit zu Zeit eingreifen musste, um Frieden zu stiften.

    Wieder war im Jahre 1572 viele Pfändung und „beschwerliche Handlung“ geschehen, so dass sich sowohl das Amt Lebus veranlasst sah, sich der Bewohner von Kliestow, als auch der Frankfurter Rat sich der Vorstädter anzunehmen. Man brachte den Streitfall vor den regierenden Kurfürsten, aber auch schon vorher hatten „etliche Kommissionen“ versucht, ihn auf gütlichem Wege zu schlichten. Da erhielten im Jahre 1572 Kaspar Franz, Hauptmann zu Fürstenwalde, und Adrian Albinus, neumärkischer Kanzler in Küstrin, den landesherrlichen Auftrag, die „Irrungen“ in Verhör und Besichtigung zu nehmen und gemäß der vorhandenen Sachlage durch einen Vergleich zu entscheiden.

    Zum festgesetzten Tage, dem 31. Mai 1573, dem Sonnabend vor Pfingsten, beschieden die kurfürstlichen Beauftragte den Frankfurter Rat, die Lebuser Vorstädter, die Kliestower und den Amtschreiber zu Lebus für den abwesenden dortigen Hauptmann zu sich nach Frankfurt. Nachdem alles „mit Fleiß gelesen, erwogen, die Partner hin und wieder notdürftiglich befraget, Bericht und Gegenbericht eingenommen“, ergab sich jedoch, dass manche Klagepunkte nicht richtig gedeutet und klar erkannt werden konnten. Man sah sich daher gezwungen, den streitigen Ort in Augenschein zu nehmen. Noch einmal wurde dort verhandelt, wieder ließ man die Verträge und Abschiede verlesen. Als die Parteien sich gegenseitig Zugeständnisse gemacht hatten, konnte schließlich ein Vergleich geschlossen werden, der im Wesentlichen folgendes festsetzte:

    Zu „ewigen Zeiten“ behielten die Kliestower an und neben dem Lebuser Unterwege, von Peter Hanff`s Mühlenfließ an bis zum Ziegenberg an der (Wüste) Kunersdorfer Grenze, den Soom und drei Ruten breit auf den Luch, da die Wiesen der Vorstädter anfingen zur „Hütung und Grasung“ , dafür verpflichten sie sich, auf den Vorstadtwiesen sich keine Gerechtigkeit des Hütens, Holzens und Rohrmachen`s anzumaßen, auch sich des Dämmens (Anlegen von Dämmen) zu erhalten, um auf die Frankfurter Wiesen zu gelangen. Es wurde bestimmt, auf der Grenze bis zum Ziegenberg einen Graben anzulegen, jedoch so, dass zwischen ihm und dem Mühlengraben ein Landstreifen in der Breite von einer Rute verblieb. Wenn trotzdem Kliestower Vieh auf die Vorstadtwiesen übertrat, sollte der etwaige Schaden besichtigt, abgeschätzt und dementsprechend vergütet, im übrigen aber nur das gewöhnliche Pfandgeld genommen und gegeben werden. Weil die Vorstädter das auf ihren Wiesen gewonnene Heu über den Soom (Saum) bringen mussten, um es einfahren zu können, blieb ihnen das Recht dazu auch weiter vorbehalten, ebenso wurde ihnen wie bisher gestattet, das Gras von dem überschwemmten Wiesenlande auf dem Soom und auf den nahe gelegenen unbestellten Äckern auszubreiten, um es zu trocknen.

   Der Wendische Hof, der einst im Jahre 1514 „den Kliestowern“ verkauft worden war, blieb ihnen mit den bis an den See reichenden „ siebeneinhalb Morgen“ als Eigentum; die Gegend im Luch hinter dem See mit ihrer Hütung und Holzung gehörte jedoch zum Frankfurter Besitz.

   Die Ratmannen verpflichten sich, den Dorfbewohnern auf Ansuchen aus der Holzung außerhalb des Schimmingkwinkels etliche Kaveln von dem Reisig zu verkaufen, wie es vormals des Öfteren geschehen war, als ihnen von den Vorstädtern dort einige abgeschalmte Stellen überlassen worden waren. Jenseits des Schimmingks verlief der Soom mit den dazukommenden drei Ruten in der erwähnten Weise bis an den Ziegenberg.

   Andere Klagen der Kliestower wurden als unbegründet abgewiesen; auch die „Befriedung“ von Stummels Garten konnte niemand zum Nachteil gereichen. Durch die in den vorangegangenen Jahren vorgenommene Pfändung, durch das Betreiben des Viehes und das Fortnehmen des Grases auf Anordnung des Lebuser Amtes war den Vorstädtern beträchtlicher Schaden entstanden; trotzdem verzichteten sie, den Kurfürsten zu Ehren, auf Ersatz und sagten zu, die erlittene Unbill zu vergessen, wenn sich die Gegenpart dementsprechend verhielt. Dazu gaben die Landesherrlichen Kommissare das versprechen, den Vergleich bestimmungsgemäß durchführen zu lassen. In Gegenwart des Lebuser Amtschreibers erboten sich auch die dörflichen Bewohner freundlichen Willens zu guter Nachbarschaft. Der nunmehr urkundlich festgelegte Vertrag wurde von den kurfürstlichen Beauftragten unterschrieben und besiegelt, dann beiden Parteien übergeben. Eine amtliche Abschrift in den „Grenzbeschreibungen“ (Frankfurter Stadtarchiv) liegt vorstehendem Bericht zugrunde.

Eine genauere Beschreibung des Lebuser Unterweges auf der Gemarkung Kliestow finden wir weiter unten.     

 

 

 

Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012   Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012   Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012

Blick auf den ehemaligen Weinberg (Nord-Süd) am Standort der  Ragoser Mühle

 

Blick auf den Weinberg (Ost-West), im Hintergrund die Ragoser Mühle

 

Der Ragoser Talweg in Richtung Kliestow, rechter Hand der Ragoser Talfließ (Mühlenfließ), der einst 2 Wassermühlen antrieb und der ehemalige Weinberg

 

 

Die Bilder sind am 06.03.2012 um 12,30 Uhr aufgenommen. Der gesamte Hügel liegt im herrlichen Sonnenschein, also gut für einen Weinanbau auch in unserer Region. Über den Weinanbau wird in einem spätren Artikel näher eingegangen.  

 

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Kartenausschnitt von 1956

 

         

 

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3.2. Der Rezeß von 1834

 Seit einer langen Reihe von Jahrhunderten führt am Fuße des steil abfallenden Höhenrandes der Cliestower und Wüste Kunersdorfer Gemarkung ein Weg von Frankfurt nach Lebus. Er gehört zweifellos zu den ältesten Wegen in der Umgebung unserer Stadt, da er den schon um 1300 nachweisbaren nachmaligen „Wendischen Hof“ mit dem neu gegründeten Vrankenforde ebenso wie mit dem benachbarten Bischofssitz in Lebus verband. Nachdem der Wendische Hof – der Name kam erst im ausgehenden 14 Jahrhundert in Gebrauch – bald nach 1500 als „Wüste“ verlassen worden war, scheint er mehr als Nebenweg benutzt worden zu sein, denn die Hauptstrasse von Frankfurt nach Lebus entstieg damals östlich vom Klingenberg, an dessen Abhang jetzt seit mehreren Jahrzehnten eine Kalksandsteinfabrik besteht, die Höhen und verlief dann etwa im Zuge der bald nach 1820 angelegten Chaussee in der Richtung auf Lebus und Küstrin.  

Schon in den oftmaligen Verhandlungen über immer wieder auflebende Grenzstreitigkeiten im 16. Jahrhundert wird der Lebuser Unterweg erwähnt. Es lag nahe, ihn bei niedrigem Wasserstand der Oder auch zum Verkehr mit Wagen zwischen den genannten Städten zu benutzen, so dass man ihn zeitweilig fast als Hauptweg betrachten konnte. Dem suchte man sowohl in Frankfurt als auch in Lebus vorzubeugen und sperrte ihn schließlich durch Schlagbäume ab. Es wurde bereits am 27. November 1709 durch einen Rechtsspruch festgestellt, dass der Weg über die Kuhweide – damit ist der Unterweg gemeint – nur von der königlichen Post befahren werden durfte. Man ließ daher von Seiten der städtischen Behörde in Frankfurt einen Schlagbaum anbringen und geschlossen halten, zu dem der Postillion einen Schlüssel mit sich führte. Später hatte man wohl durch Nachgiebigkeit und Entgegenkommen auch anderen Reisenden mit Fuhrwerken die Wegsperre aufgehoben und Schlüssel dazu hergegeben.

Ebenso wenig konnte der nordwärts von Lebus über Klessin und Wuhden verlaufende weitere Unterweg als Fahrstraße angefahren werden. Man hat wohl hin und wieder Reisende und leichte Wagen dort durchfahren lassen, aber ein „ordentlicher Weg“ ist er dadurch nicht geworden. So stellte der Lebuser Bürgermeister Hoepffner fest, als er auf ersuchen des Magistrats am 8. Februar 1749 in Frankfurt erschien.

Nicht lange vorher hatte der Kriegs – und Steuerrat Senning den Lebuser Magistrat folgenden Vorgang berichtet: In der Voraufgegangenen Meßkommerzin – Konferenz wies der Beauftragte der Neumärkischen Kriegs - und Domänenkammer zu Küstrin, Kriegsrat Zöllich hin auf den Weg unterhalb von Lebus, wo eine Warnungstafel aufgestellt und den zur Messe nach Frankfurt fahrenden Kaufleuten, auch anderen Reisenden zur Ungebühr Geld abgefordert worden war. Die städtische Behörde in Lebus erhielt den amtlichen Auftrag, die Angelegenheit gründlich zu untersuchen, die Warnungstafel entfernen zu lassen und zu verfügen, bei trockenen Wetter die Meßreisenden in der Benutzung des „Unteren Weges“ nicht zu behindern, wenn nicht „erhebliche Umstände“ die Stadt Lebus zu diesen Sperren berechtigten und gegebenenfalls die entsprechenden Gerechtsame vorzulegen.

In der vom Lebuser Magistrat (Hoepffner, Krüger, Hans Walburg und Samuel Retsch) gegebenen Antwort wurde dargestellt, dass niemand das Bestehen zweier öffentlicher Straßen zwischen Küstrin und Frankfurt behaupten kann, da allezeit nur die große obere Straße von Reisenden mit Wagen befahren worden sei, während Fußgänger bei niedrigem Wasserstande der Oder auch den Unterweg benutzt hatten. Es kann den Bewohnern von Lebus nicht zugemutet werden, eine öffentliche Straße, die lediglich der Bequemlichkeit dient, über ihre   Wiesen und Hütungen zu gestatten.

Gleicherweise ist die Angelegenheit auch in Frankfurt angesehen worden, wo man einen Schlagbaum anbringen und eine Warnungstafel aufstellen ließ. Wenn auch gelegentlich ein Verkehr mit leichten Wagen und bei niedrigem Wasserstande zugelassen worden ist, so kann doch den schwer beladenen Kaufmannswagen die Durchfahrt dort nicht gestattet werden, zumal sie bei Hochwasser nicht möglich ist.

So ließen dann Bürgermeister und Rat in Frankfurt am 6. Juli 1764 durch eine Warnungstafel bekannt machen: Es wird ein jeder Reisende hiermit gewarnt, diesen Weg über die Hütung und Wiesen weder mit ledigen noch beladenen Wagen zu befahren, bei Vermeidung der Pfändung und Strafe. Im Winter von 1814 zu 1815 war der längs den Bergen über den Unterkrug nach Lebus führende Weg, der von Frankfurt aus oft zur Fahrt nach der genannten Gaststätte benutzt wurde, von der Gemeinde Kliestow verboten und durch „aufgeworfene Gräben“ unbrauchbar gemacht.

Der damalige Bezirksvorsteher der Lebuser Vorstadt Namens Mühle, reichte daher eine Beschwerde beim Frankfurter Magistrat ein und bat um Auskunft über die Berechtigung des Vorgehens seitens der Gemeinde Kliestow den Weg zu verbieten, und er konnte auch nachweisen, dass aus den älteren Verhandlungen über den Unterweg keineswegs hervorgeht, dass ihn die Einwohner von Kliestow als eine öffentliche Passage zu behandeln, das Befahren zu gestatten und ihn zu unterhalten haben, er diene seiner eigentlichen Bestimmung nach als Feldweg, der zu den anliegenden Ländereien führt, obgleich er zeitweilig als Fahrweg von und nach Lebus benutzt worden sei. Eine Pflicht, ihn zu unterhalten kann daraus nicht hergeleitet werden, wie schon Verhandlungsberichte aus den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts zeigen. Damals ist bereits auf den Grenzvergleich vom Jahre 1572 hingewiesen worden, in dem der an den Bergen entlang führende Weg als Lebuser Unterweg bezeichnet worden ist. Schulze und Gerichte zu Kliestow bestätigen bei damaliger Gelegenheit das Bestehen des Weges seit „ alten Zeiten“, widersprachen aber seiner Benutzung als öffentliche Fahrstrasse. Somit ist es dann auch des Weiteren verblieben.

In dem Separationsrezeß vom 12. Dezember 1834 ist die Breite des Unterweges von Frankfurt aus bis zum Schimmingweg auf 2 Ruten 5 Fuß, von dort bis zur Kliestower Grenze auf eine Rute festgelegt worden.  

 

 

 

 

Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012   Foto: Klaus Fechner, 06.03.2012
   

 

    

Am Standort der Halle und des Schonsteines befand sich die Burgundische Siedlung (2 bis 4 Jahrhundert) und im 17. Jahrhundert der Beginn des Oberweges nach Lebus. Wie ersichtlich befinden sie sich auf einer erhöhten Terrasse, wohl ausgesucht schon von den Burgundern um vom Hochwasser gesichert zu sein. Der Graben (Abfluss des Küstersees) zeigt uns etwa die Höhe des Wasserstandes der Oder.

 

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Thema 2: Erste Besiedelungen

 

2.1. Antike2.2. Burgundische Siedlung2.3. Wendische Besiedelung

 

 

2.1. Antike

Klaudios Ptolemaios (auch geschrieben Claudius Ptolemäus, ca. um 100- 178 n. Christi) verfasste die „Geographia“, in der er als erster Mensch Europa beschrieb. Nach diesen Beschreibungen wurden 1000 Jahre später die so genannten Ptolemäischen Weltkarten erstellt. Die Siedlung Frankfurt oder doch besser vielleicht Küstrin oder Kliestow wird darin mit dem Namen Colancorum bezeichnet. Mit Hilfe von Computerprogrammen wurden durch ein Team der TU Berlin diese Karten auf die heutigen Verhältnisse umgerechnet. Bei den Umrechnungen der Koordinaten von Ptolomaios in unsere modernen Karten geht Prof. Leigemann von einer Abweichungstoleranz von etwa maximal 20 km aus.

 

In unserer Gegend sind nur drei größere germanische Fundstellen bekannt, die in die Zeit Ptolemaios´ datieren: Wilhelmsaue, Wüste Kunersdorf (siehe Bild unten) und Kliestow.

 

Wilhelmsaue scheidet aus, da es sich mit mehr als 30 km Abweichung in Richtung Norden befindet. Lebus weist zu dieser Zeit (um Christi Geburt bis 150 nach Christi) nach Aussage von Prof. Dr. Schopper (Landesarchäologie des Landes Brandenburg), eine rund 100 jährige Siedlungslücke aus.

Es kann also somit nicht in Betracht kommen.

 

Bleiben Wüste somit also Kunersdorf und die Gegend des Frankfurter Ortsteiles Kliestow. Durch eine Lehrgrabung der Humboldt-Universität Berlin im Zeitraum von 1959 bis 1965 konnte eine germanische Siedlung im 1. Jahrhundert vor Christi im Bereich von Wüste Kunersdorf nachgewiesen werden. Die hier lebenden Germanen gehörten dem Stamme der Semnonen an und unterhielten sowohl Beziehungen zu den Germanen aus dem Stamm der Burgunder, die östlich der Oder lebten, als auch zu den Elbgermanen (Quelle: MOZ 06.03.2008).

 

 

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2.2. Burgundische Siedlung

Bild: Karte der Ausgrabungen 1936

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Die Burgundersiedlung auf der Gemarkung von Kliestow wird auf eine Ausdehnung von 10.000 m² veranschlagt. Davon sind aber erst 772 m² untersucht worden. Der Kulturbereich war eindeutig germanisch, trotzdem wurden allerdings auch römische Artefakte wie Schmuckstücke oder Münzen bei den Ausgrabungen gefunden. Die Frage ob es Beutegut oder Handelsware war, kann nicht geklärt werden. Beide Siedlungsplätze kämen für die Koordinaten für „Colancorum“ Frankfurt (Oder) in Frage. 

 

 

Genauere Kenntnisse über die Germanische (Burgundische) Siedlung wurden schon 1934 bei der Ausgrabung dieser Siedlung erzielt (Bild rechts).

 

1934 wurde nämlich an der heutigen Kliestower Straße, Ecke Ragoser Talweg –Triftweg eine größere ostgermanische Siedlung, burgundische Siedlung, ausgegraben. Man entdeckte bei den Grabungen Hausgrundrisse mit Herdstellen, Knochen beerdigter Tiere, Scherben, Spinnwirbel und Geräte, die eindeutig darauf hinwiesen, dass diese Siedlung von dem Volksstamm der Burgunder gegründet wurde.

 

Die Burgunder, ein ostgermanisches Volk, haben sich etwa im 1./2. Jahrhundert zwischen Oder und Warthe niedergelassen und auch im Westen der Oder, wie diese Siedlung beweist.

Seit dem 3. Jahrhundert wanderten aber wiederholt Stammteile der Burgunden schon nach Süden ab, was sich auch im Abbruch einiger Fundstellen widerspiegelt. Manche Siedlungen bestanden noch bis in die ersten Jahrzehnte des 4. Jahrhunderts, dann endeten auch sie. Es wird angenommen, dass die Kliestower Siedlung im Verlaufe der 1. Hälfte, spätestens aber um die Mitte des 4. Jahrhunderts wieder verlassen wurde. Über etwaige Restbevölkerung ist nichts bekannt, die nach dem Abzug der Burgunden vielleicht noch blieb.

 

Die nachstehenden Fotos zeigen den Ort der ehemaligen Siedlung 1934 und 2008:

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv   Foto: Klaus Fechner, 2008

1934

 

2008

 

         

 

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2.3. Wendische Besiedlung

7./8./9.Jh        Erste slawisch – wendische Besiedlung

 

Ende des 6. Jahrhunderts unserer Zeit wanderten die ersten Slawen in unser Gebiet ein. Die Keramikfunde belegen, dass sie aus heute polnischen Gebieten kamen. Im 7. Jahrhundert wurden die ersten Burgen gebaut.

Ende des 7. Jahrhunderts kamen Stämme oder Stammesteile von Südosten her in unser Land. Ihre Keramik, die schon mittels Drehscheibe hergestellt wurde, weist Beziehungen nach Schlesien und dem Gebiet an der Weichsel aus. Entlang der Oder zogen sie nach Norden und Nordwesten.

In dieser Zeit entstanden die Burgwälle an den Höhenlagen der Oder in Kliestow, Lebus, Reitwein und Lossow. Angelegt wurden sie von den Liutizen zu dem Grund, sich vor den polnischen Ausdehnungsbestrebungen zu schützen bzw. ihnen Einhalt zu gebieten.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Bild: Schema des Kliestower Burgwalls

 

 

Ca. zwei Kilometer nordöstlichh von Kliestow untersuchte Wilhelm Unverzagt in den Jahren nach 1930 eine etwa dreieckige Höhenburg mit einem Wall in Kastenkonstruktion, der innenseitig mit einer Art Kasemattenbebauung versehen war.

 

Die Burg liegt auf einen Sporn, der westlich und nördlich durch ein Tal, im Osten durch die Oder begrenzt ist. Lediglich im Süden ist das Wallgelände durch einen Sohlgraben abgetrennt. Zu jener Zeit waren wohl außer der Südseite die Täler auch versumpft und bildeten somit einen zusätzlichen Schutz.

 Die Innenfläche des Walls war, abgesehen von der kasemattenartigen Bebauung an der Wallinnenwand, nicht oder nur locker bebaut. Die Funde aus den Grabungen von 1936 bis 1938 datierte Unverzagt in mittelslawische Zeit. Er geht auf Grund der Entwicklungsstufe der Keramik davon aus, dass die Burg in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts bestanden hat und gegen Ende des 10. Jahrhunderts oder am Beginn des 11. Jahrhunderts durch Brand zerstört wurde. Dem ist nach neuesten Erkenntnissen nicht zu widersprechen, außer, dass die Zerstörung der mittelslawischen Burgen im Lebuser Land generell mittlerweile in das letzte Viertel des 10. Jahrhunderts datiert wird.

 

Das Bild des Burgwalles von Kliestow unterscheidet sich aufgrund der Innenraumbebauung von den benachbarten Burgen in Lossow, Lebus und Reitwein. Während diese eine dichte Bebauung aufwiesen, gab es in Kliestow nur die kasemattenartige Bebauung entlang der Wallmauer. Dieser Umstand führte dazu, dass Kliestow im Gegensatz zu den anderen Burgen nicht als bewohnte, so genannte „Volksburg“, sondern als eine Art militärischen Vorposten für die nördlich gelegene Burg Lebus angesehen wird, zumal beide Burgen sich in Sichtweite befanden. Sie diente somit rein militärischen Zwecken als kleine Wehrburg bzw. als Fluchtburg der Bevölkerung bei kriegerischen Durchzügen. Die Kliestower Burg fiel also sicherlich bei der Eroberung durch Polen einem Brand zum Opfer, wurde nicht mehr aufgebaut und verödete im Laufe der Jahrhunderte.

 

 

Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv

Bild: Lage von Kunersdorf, der antiken Siedlungen und späteren Gehöfte

 

 

In dieser Zeit entstand auch unweit des Burgwalls eine unbefestigte wendisch slawische Siedlung genannt Klein-Kliestow. Auch Kliestow hat seinen slawischen Namen behalten, der sich von einem altpolabischen Ausdruck für Fisch oder einer Fischart ableitet. Ein weiteres namenkundliches Indiz für die Anwesenheit der Slawen an diesem Ort ist auch die spätere Umbenennung von Klein-Kliestow in „Wendischer Hof“, was für die ursprüngliche Ansiedlung oder eine spätere Umsiedlung slawischer Bewohner spricht. (Quellen u. a. Frankfurter Jahrbuch 2008/2009, Frankfurter Geschichten Heft 20 Karl Michelke)

 

 Ein Einödshof befand sich unterhalb der Oderhänge am Feldweg nach Lebus (Lebuser Unterweg, heute Triftweg). Folgte man diesem Feldweg damals, was heute nur noch bis zum letzten Grundstück (Ort des Einödshofs) möglich ist, so gelangte man nach ca. 3 Kilometern zum Kliestower Burgwall. Möchte man heute die Reste der Wallburg besichtigen, muss man über das Grundstück der Melkanlage bzw. Viehwirtschaft gehen.

 

Stammesnamen für die ersten Einwandwanderungsgruppen sind nicht überliefert.

Eine dünne Besiedlung wird wohl in der Folgezeit immer bestanden haben, aber in der so genannten Ostkolonisation entstand dann der Ort Kliestow.

 

 

 

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Thema 1: Der Ortsname

 

1.1. Herleitung des Namens1.2. urkundliche Erwähnungen1.3. gleiche oder ähnliche Ortsbezeichnungen

 

1.1. Herleitung des Namens

 Dem Namen Kliestow wird in verschiedenen Quellen übereinstimmend ein slawischer Ursprung zugeordnet. Seine eigentliche Bedeutung ist bisher jedoch nicht eindeutig abgeleitet.

 Im Brandenburgischen Namensbuch Teil 8 (Die Ortsnamen des Landes Lebus) Nr. 113 wird Kliestow alternativ erklärt mit „Klescov“ von „Klesc“ (deutsch Fischart: Blei, Brachse, Brassen) oder „Klesce“ (deutsch: Zecke, Milbe).

 

Ausschnitte aus dem o. g. Namensbuch Nr. 113 (Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv)

Ausschnitt aus dem o. g. Namensbuch Nr. 215 (Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv)

 

Ausschnitte aus dem o. g. Namensbuch Nr. 215 und 113

 

 

 Der Ortsname Cliestow kann auch abgeleitet werden von Kljutzsch. Das bedeutet soviel wie Quelle oder Spring. Im Jahre 1921 schrieb Hans Sommerfeld in einer Dissertationsarbeit darüber. Über die richtige Entstehung des Namens gibt es leider keine Zeitdokumente, aber die Entstehung könnte bis in die Zeit der Wenden zurückgehen. „Kljutzsch Quelle“ könnte man als richtig annehmen, da sich die Menschen in der Nähe von Wasserquellen ansiedelten, so also an der Quelle des Ragoser Talfließes im Park von Kliestow bzw. am See.

 

Auch die Bezeichnung nach dem Gewässername „Kliestower See“  ist sehr wahrscheinlich. Wobei es sich dabei nicht um den jetzigen Kliestower See im Dorf handelt, sondern um einen See in den Oderwiesen. Dieser See wurde auch als Kliester See bezeichnet.  Auf der Karte von 1785 des Stadtarchivs Frankfurt (Oder)  ist er noch verzeichnet (s. Abb. unten).

 Im Frankfurter Jahrbuch 2008/2009 wird folgendes erklärt: Kliestow hat seinen slawischen Namen behalten, der sich von einem altpolabischen Ausdruck für Fisch oder einer Fischart ableitet.

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1.2.  urkundliche Erwähnungen

 Das erste Zeitdokument von Kliestow ist, wie schon erwähnt, die Urkunde von 1320, als der Herzog Rudolf von Sachsen das Dorf ville Clistow der Stadt Frankfurt (Oder) schenkte. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Schreibweise ständig geändert wie in der folgenden Aufstellung ersichtlich. Da es noch keine einheitliche Schreibnorm gab, könnte man annehmen, dass der Dorfname so aufgeschrieben wurde wie er von den Schreibern der Kirche und der Behörden verstanden wurde.

 

1320                      ville Clistow

Genannt in der ersten Urkunde vom 15.Oktober 1320 als der Herzog Rudolf von Sachsen das Dorf Kliestow der Stadt Frankfurt schenkte

(Riedel Band XXIII S.18) (Krabbo: Regesten S. 846/847 Nr.2843;

 

1325                      clistowe

In einer Urkunde bekunden Schöffen in Guben das Erbe von Liphards Söhnen in Kliestow.

(Riedel Band XX S.202)

 

1328                      villa klistow, villa Clestowe

Markgraf Ludwig belehnt den Frankfurter Bürger Johann Lichtenberg mit Besitzungen im Dorfe Kliestow.

Urkunde nur 3 Kliestow, bzw.(Riedel Band XXIII S.24-25)

 

1338                      villa nostra Clistow, ville Clistow

Bischof Heinrich von Lebus belehnt die Familie Lichtenberg mit einer Hebung aus dem Zoll in Frankfurt und mit Besitzungen in Kliestow

                (Riedel Band XXIII S.32)

 

1362                      villa Clistow

Bischof Heinrich von Lebus schenkt den Vikarien-Collegio seiner Stiftskirche zwei Höfe nebst der Schäferei in Kliestow.

(Riedel Band XX S.210-211)

 

1405                      Clistow, In Magno Clestow 

 

(Pr. Br.Rep. 10 A Hochstift Lebus Nr. S. 3,14,Abschrift von 1462 / 1467

                               Das Lebuser Stiftsregister wird aufgestellt. Das Register des Hochstifts Lebus befindet sich noch heute in einer Abschrift von 1462/1467 im Brandenburgischen Landeshauptarchiv Potsdam.

                               Im Lebuser Stiftsregister werden unter anderen erwähnt: Lichtenberg (1323 Ersterwähnung von Lichtenberg in einer Urkunde: Johannes de Lichtenberg), Kliestow Ersterwähnung im Jahre 1320 „ ville Clistow “, erstmalig die Kirche in Lossow Ersterwähnung eines Otto de Lossowe – in Lauban -1290, Hohenwalde ( Ersterwähnung 1294 Jakobus apud Johannem de Hoghenwaldelag die ), Booßen ( Ersterwähnung 1317 ville Boz ), Güldendorf ( Ersterwähnung 1230 Cessnovo ). 

                        Stadtarchiv Frankfurt (Oder) Archiv / Chronik

 

1406                      Clystaw, Clisto 

Auseinandersetzung der Familie Lichtenberg in Betreff des Anteils an dem Zolle zu Frankfurt und gewisse Besitzungen im Dorfe Kliestow.

(Riedel Band XXIII S.145)

 

1407                      Clistow

Bischof Johann von Borschwitz (1397 - 1418) in Lebus belehnt die Familie Lichtenberg mit Zollhebungen in Frankfurt und Besitzungen von 12 Hufen in Kliestow.

(Riedel Band XXIII S.147)

                                                                                                             

1442                      Clystow

                               Constantin Waldow, Official, bekundet eine von den Schulzen in Kliestow

                          vorgenommene Verpfändung an einem Altar zu Frankfurt am 14 Juni.

                               (Riedel Band 23 XXIII S.222-223)

 

1460                      Clisto

im Schoßregister

 

1506                      Clisto

Am 22. Februar setzen der Kurfürst Joachim und Markgraf Albrecht für die Universität Frankfurt gewisse Privilegien fest.

(Riedel Band 23 (S.325-327)

 

1528                     

Kurfürst Joachim vermittelt am 23.April einen Vertrag zwischen dem Bischof von Lebus und dem Rat zu Frankfurt, worin erstere aufgibt, die Frankfurter als seine lieben Getreuen zu bezeichnen und bei der Belehnung den Lehnseid zu fordern.

(Riedel Band 23 S.437-438                                                                                                           

 

1531                      Cliestow

Am 6. Mai belehnt Bischof Georg von Lebus dem Frankfurter Bürger Kunz Rephun mit Besitzungen in Cliestow.

(Riedel Band 23 S.445 – 446, S.448)

 

1599                      Klehsto

M. Petrum Hafftitium Rector der Schulen Berlin und Cölln beschreibt den Zustand des Chur – und Fürstentums Brandenburg. Hierin wird der Pfarrer von Klehsto (Kliestow)

genannt.                                        

 

1731                      Cliestow, Cliesto, Clisto

9. Mai im Pachtvertrag mit Gottlieb Lange in der Akte XIV 363 im Stadtarchiv

(C l i e s t o w) bzw. in Briefen von Herrn Lange an den König von Preußen Friedrich Wilhelm am 9.Mai 1732 (C l i e s t o). Im Antwortschreiben am 19.September vom König an Lange wird (C l i s t o) geschrieben.   

 

Die Schreibweise Cliestow setzte sich in den in den folgenden Jahrhunderten immer mehr durch bis etwa 1930.

 

1785                      Kliestow

Kartenausschnitt von 1785 mit Schreibwewise Kliestows mit "K" (Quelle: Klaus Fechner, Stadtarchiv) 

Kartenausschnitt von 1785

 

1930                      Kliestow

 Seit 1930 gilt auch offiziell diese Schreibweise.

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1.3. gleiche und ähnliche Ortsbezeichnungen

 Deutschland:

  • Kliestow - Ortsteil von Trebbin (Landkreis Teltow-Fläming, Land Brandenburg)
  • Klaistow - Ortsteil von Beelitz (Landkreis Teltow-Fläming, Land Brandenburg)

 

Polen:

  • Kleszczów – Dorf und Sitz der gleichnamigen Gemeinde (Kreis Bełchatowski, Woiwodschaft Łódż)

 

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© Alle Rechte vorbehalten: Heimatverein Kliestow e. V. | letzte Änderung/Aktualisierung: 18.08.2017